Index S&P 500
Rally lädt zu Gewinnmitnahmen ein

In den letzten neun Wochen ist der US-Aktienindex S&P 500 um mehr als ein Drittel gestiegen. Doch die Aufwärtstrends waren zu steil, als sie sich auf Dauer so durchhalten lassen. Aus charttechnischer Sicht spricht einiges dafür, dass der Index in der zweiten Jahreshälfte auf 750 Punkte zurückfallen könnte.

ZÜRICH.Die Rally der letzten Wochen war atemberaubend. Ohne große Korrekturen ist der US-Aktienindex S&P 500 innerhalb von neun Wochen um rund 36 Prozent gestiegen. Besonders die Sektoren, die im März am stärksten getroffen waren, sind in den letzten Wochen massiv gestiegen. US-Banken und zyklische Werte haben sich mehr als verdoppelt. Der US Housing Index legte rund 78 Prozent zu.

Beeindruckende Zahlen, die die Frage aufkommen lassen, ob es sich bei einer derart starken Bewegung nur um eine Bärenmarkt-Rally oder einen neuen Bullenmarkt handelt. Wir haben mehrere Gründe, die dagegen sprechen, dass es sich bei der aktuellen Rally bereits um den ersten Teil eines neuen Bullenmarkts handelt.

Die Analyse der Kursentwicklung seit 1932 zeigt, dass es nur 1942 einen reinen sogenannten V-Boden gab. Ein V-Boden ist ein sehr scharfer Trendwechsel, der ohne große Akkumulationsphase beziehungsweise Bodenbildungsphase verläuft. Wir gehen nicht davon aus, dass es sich bei den V-Böden im S&P 500 und anderen wichtigen Schlüsselsektoren um eine tragfähige Basis handelt.

Mit dem Einbruch in der zweiten Jahreshälfte 2008 haben viele Indizes wichtige Unterstützungen bzw. Trends gebrochen. Der Technologie-Index Nasdaq Composite hat bei rund 1 720 Punkten seinen Langfristtrend aus dem Jahr 1978 gebrochen. Die meisten unsere Zyklen deuten auf ein wichtiges Langfristtief im vierten Quartal hin, so dass wir generell davon ausgehen, dass die Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte nochmals markant unter Druck geraten werden.

Als Fazit bleibt: Die Rally der letzten Wochen war extrem. Die Aufwärtstrends der letzten Wochen sind aber zu steil, als dass sie sich auf Dauer so durchhalten lassen. Wir sehen Anzeichen, dass sich immer mehr Anleger am Aktienmarkt engagieren. Mit den höheren Volumen haben wir vermehrt überstürzte Käufe gesehen, was charttechnisch auch als Beginn einer "Topbildungsphase" bezeichnet wird. Diese Phase kann durchaus bis in den Juni anhalten.

Als mögliches Restpotenzial kann der S&P 500 bis in den Bereich von 950 Punkten steigen. Fällt der S&P unter 876, hat der Markt aus unserer Sicht seine Top-Marken gesehen. Für die zweite Jahreshälfte erwarten eine neue Abwärtsbewegung, die den S&P 500 mindestens bis in den Bereich von 750 Punkten zurückführen sollte. Daher würden wir die Stärke in den kommenden Wochen zu Gewinnmitnahmen nutzen.

Michael Riesner leitet die Technische Analyse der UBS Investment Bank in Zürich.

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