Kaum Kaufreiz im Tief
Der nächste Kurssturz droht

Erst wurden die Anleger skeptischer. Jetzt reizen die niedrigen Kurse kaum mehr jemanden zum Einstieg. Deshalb fallen die Börsen weiter, sagen Charttechniker.

DüsseldorfSo wie die meisten Anleger blicken derzeit auch die technischen Analysten skeptisch in die Zukunft. Trotz hoher Verluste von bis zu 30 Prozent für den Dax seit Ende Juli sehen die Experten das Ende der Talfahrt noch immer nicht erreicht.

Skeptisch stimmen die hohen Umsätze in der jüngsten Abwärtswelle. Im August wechselten in Frankfurt gut doppelt so viele Aktien ihre Besitzer wie im Schnitt der vergangenen Jahre. Zudem alarmieren die abrupten Gegenbewegungen nach oben - so wie gestern - und das rasche Erlahmen der Erholungen wie in den vergangenen Wochen.

"Kurzzeitige Ausschläge nach oben sind typisch in jeder großen Talfahrt. Doch sie dürften auch dieses Mal wieder nicht nachhaltig sein", sagt Christian Henke von der WestLB. Anders ausgedrückt: Anleger sollten die Erholungen zum Ausstieg nutzen. Grund für rasche Kursanstiege sind Käufe kurzfristig orientierter Anleger, die auf sehr kurze, aber heftige Gegenbewegungen spekulieren, wie es sie in jeder Baisse gibt, dann aber sofort aussteigen und auf fallende Kurse setzen, sobald sich der Trend nach unten fortsetzt.

Auf das Pendeln folgt der Absturz

Der Ende Juli begonnene Abschwung kam mit Ansage: Erst pendelte der Dax über mehrere Monate zwischen 7000 und 7500 Punkten. Sobald die 7000er-Marke gefallen war, setzte die erste große Verkaufswelle ein. Der Dax fiel binnen weniger Tage 1500 Punkte tiefer. "Lange seitwärts und dann fulminant nach unten. Deutlicher kann sich ein Bärenmarkt kaum ankündigen", sagt Klaus Deppermann von der BHF-Bank.

Die Lehre daraus heißt: Der im Frühjahr 2009 gestarteten Hausse folgt ein rasanter Abschwung. Denn so wie diesmal starteten auch die spektakulären Talfahrten im Frühjahr 2000, als die Technologieblase zu platzen begann; und 2008, als die Bankenkrise die Realwirtschaft erfasste. Jedes Mal endete eine ausgeprägte Verteilungsphase, in der die Kurse auf- und abpendeln (siehe Chart), in einer ausgeprägten Talfahrt. Der verstorbene Börsenaltmeister André Kostolany hat in seinen populärwissenschaftlichen Büchern auf dieses Phänomen hingewiesen. Gemäß seiner über 70-jährigen Börsenerfahrung wechseln Aktien aus "starken" in "schwache", also nervöse Hände. Wenn die Kurse nicht weiter steigen, verlieren mehr und mehr nervöse Anleger die Nerven, sobald ihre Aktiendepots ins Minus rutschen. Am Ende brechen die Börsen ein.

Der Beschleuniger dieser Talfahrt war auch dieses Mal der Bruch der 200-Tage-Linie. Üblicherweise dient dieser Durchschnitt aus den vergangenen 200 Handelstagen vielen Profis als Orientierung. Sobald die Börse solch eine Linie unterschreitet, springt für viele Anleger die Börsenampel auf Rot. Auch in den zwei vergangenen großen Talfahrten gerieten die Kurse so richtig ins Rutschen, sobald die 200-Tage-Linie unterschritten war.
"Die letzte Entscheidungsschlacht ging im Bereich von 5500 Punkten verloren", sagt West-LB-Experte Henke. Schien sich nach der ersten Abwärtswelle im August zwischen 5500 und 6000 Punkten ein Boden auszubilden, so beschleunigte sich - wieder charttechnisch idealtypisch - die Talfahrt mit dem Bruch dieser Zone.

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