Korrekturanfällig
Charttechnik gibt keine Entwarnung für die US-Börsen

Mit dem Kurseinbruch vom 27. Februar hat die US-Börse wieder einen Ausverkaufstag gesehen. Steht damit der S&P t vor einer Trendwende zum Besseren? Analysten gehen davon aus, dass er kurzfristig eher vor einer Erholung als vor einem neuen Kursrutsch steht. Mittelfristig halten sie den Markt aber für korrekturanfällig.

ZÜRICH. In der Geschichte der US-Börsen gab es schon häufiger rabenschwarze Tage mit außergewöhnlichen Verlusten. Beispiele für solche Tage sind der Crash am 19. Oktober 1987 mit einem Tagesverlust von 20 Prozent oder der Mini-Crash vom 13. Oktober 1989 mit rund sechs Prozent minus nach der gescheiterten Übernahme der US-Fluglinie UAL.

Diese Kurseinbrüche haben eines gemeinsam. Der Anteil des Umsatzvolumens fallender Aktien gegenüber dem Volumen steigender Titel war an diesen Tagen mit einem Niveau von 90 Prozent extrem. Diese extremen Handelstage sind deswegen markant, da sie entweder am Ende von Abwärtsbewegungen vorzufinden sind oder einen Ausrutscher innerhalb einer kurzen Korrektur darstellen. Somit können sie als klassische Kapitulation angesehen werden. In der Konsequenz ist eine Kapitulation als positiv anzusehen, da sie eine Marktbereinigung darstellt und in der Regel kurz vor einer Trendwende vorkommt.

Mit dem Kurseinbruch vom 27. Februar hat die US-Börse wieder einen dieser Ausverkaufstage gesehen. Steht damit der S&P t vor einer Trendwende zum Besseren? Wir gehen davon aus, dass er kurzfristig eher vor einer Erholung als vor einem neuen Kursrutsch steht und erwarten eine Erholung des S&P-500 bis in den April. Diese sollte mindestens bis zum Widerstand bei 1 425 Punkten führen. Durchbricht der Index diese Marke, ist auch ein Test des Hochs aus dem Februar bei 1 460 Punkten möglich.

Mittelfristig halten wir den Markt dagegen für korrekturanfällig, unter anderem auf Grund der großen Gelassenheit der Anleger. Die aktuelle Korrektur hat aus technischer Sicht beträchtlichen Schaden angerichtet. In vielen wichtigen Indizes wurden mittelfristige Aufwärtstrends deutlich gebrochen. Zudem wurden in Momentumindikatoren mittelfristige Verkaufssignale generiert, die uns vermuten lassen, dass die aktuelle Korrektur nur die erste Welle einer längerfristigen Korrektur darstellt. All diese technischen Warnsignale scheinen die Anleger momentan nicht zu beunruhigen.

Gerade diese Gelassenheit macht den Markt aber anfällig für weitere Korrekturen, da die Anleger von neuen Kursverlusten überrascht würden. Wir gehen somit davon aus, dass eine mögliche Erholung nur von kurzer Dauer sein wird und erwarten weitere Kursrückschläge im zweiten Quartal. Sollte der S&P-500 die Unterstützung bei 1 374 Punkten nicht halten, drohen Rückschläge bis in den Bereich von 1 340 bis 1 350 Punkten. Wir raten Investoren, Kurserholungen zum Verkauf zu nutzen.

Der Autor leitet die technische Analyse der UBS Investment Bank in Zürich.

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