Markt konsolidiert und holt neue Luft
Charttechniker: US-Aktien winken weitere Gewinne

Der rasche Anstieg amerikanischer Aktienkurse wirft die Frage auf, ob ebenso rasche Rückschläge drohen. Das technische Bild und vor allem die Kursreaktionen an schwächeren Börsentagen zeigen jedoch, dass die Rally noch ein wenig weitergehen sollte.

DARMSTADT. Seit Ende Oktober haben die US-Standardwerte knapp acht Prozent zugelegt. Damit holte der Dow in nur wenigen Handelstagen den Großteil der Verluste auf, die er seit Februar erlitten hatte. Erst bröckelte der Ölpreis, dann bestätigten die US-Wähler ihren Präsidenten George W. Bush im Amt. Für die Investoren waren das die Nachrichten, die Terrorgefahr und Zinsängste vergessen machten.

Der Dow, der Ende Oktober ein Jahrestief markiert hatte, schnellte zunächst über seine Abwärtstrendlinie bei 10 230 Zählern, überwand dann eine schwache Widerstandszone bei 10 340 Punkten und setzte sich schließlich über der wichtigen Chartmarke im Bereich um 10 470 Punkten fest. Erst der nächst höhere Widerstand bei 10 600 Punkten konnte den Spurt stoppen. Seitdem pendeln die US-Blue-Chips in einer engen Spanne seitwärts.

Mittelfristige Indikatoren zeigen durch den starken Anstieg eine überkaufte Situation an und mahnen zur Vorsicht. Ein gutes Beispiel ist der MACD: Der Moving Average Convergence/Divergence Indikator entsteht aus der Differenz zweier gleitender Durchschnitte und leistete in der Vergangenheit gute Dienste. Er bewegt sich auf einem hohen, überkauften Niveau, das zuletzt im Januar erreicht wurde. Ein konkretes Verkaufssignal steht allerdings noch aus. Dieses entsteht, wenn die durchgezogene MACD-Linie durch ihren gestrichelt eingezeichneten gleitenden Durchschnitt fallen sollte. Diese flacher verlaufende Signallinie ist aktuell zwar erreicht, aber noch nicht nach unten durchbrochen.

Positiv schlägt zu Buche, dass in den letzten Tagen ausreichend Zeit gewesen wäre, die schnellen Spekulationsgewinne mitzunehmen. Typischerweise gibt der Markt in solchen Situationen die Hälfte des vorangegangenen Gewinns wieder ab. Dies geschah nicht. Damit stehen die Chancen gut, dass die Leitbörse nur konsolidiert und vor dem Jahreswechsel einen weiteren Aufwärtsschub erfährt. Für dieses Szenario wäre es wichtig, dass der Dow sich über der Unterstützung von 10 470 Punkten hält. Gelingt dies, ist zumindest der Weg zum Februar-Hoch bei 10 730 Punkten offen. Eine ausgeprägte Hausse sollten Anleger für 2005 deshalb jedoch nicht erwarten.

Hans Schulz-Dieter ist Experte für technische Analyse und Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts, Lutz Mathes sein Mitarbeiter.

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