Schwächesignale: Chartanalysten sind alarmiert
S&P 500: An der Wall Street droht ein Einbruch

Aus der Traum. Die Wochen, in denen deutsche Aktien ein positives Eigenleben führen, sind vorbei. Die Wall Street gibt wieder die Richtung vor. Und die heißt: abwärts. Der maßgebliche US-Index, der S&P 500 weist bedenkliche Schwächen auf. Viele Investoren werden deshalb nervös, gehen auf Nummer sicher und orientieren sich erst einmal nach unten.

DÜSSELDORF. Stets galt das eine Muster: Mit jeder Aufwärtsbewegung überwanden die großen Börsenindizes in Europa und den USA ihre vorangegangenen Hochs. In zwischenzeitlichen Korrekturen fielen die Kurse nicht unter die Niveaus früherer Rücksetzer zurück. Doch diesmal kippte dieses hausseträchtige Bild. Anfang Juni erreichte der S&P 500 mit gut 1 540 Punkten einen Stand, den er in den folgenden Wochen nicht mehr überwand (siehe Chart). Der Aufwärtsschub blieb schwach, umso stärker fiel aber dann der Rücksetzer aus.

"Die Börsenampel steht auf orange. Nach einer langen Zeit der Aufwärtsbewegung gibt es ernste Warnzeichen", sagt HSBC-Analyst Rainer Sartoris. Wie er interpretieren auch viele Investoren die neue Situation kritisch: Anleger nutzen Rücksetzer nicht mehr wie früher als günstige Kaufgelegenheit. Vielmehr sind Aufwärtsbewegungen plötzlich ein willkommener Zeitpunkt, Gewinne zu realisieren. Je mehr Investoren sich dieser Sichtweise verschreiben, desto rasanter droht der Abwärtstrend auszuarten.

Kein Wunder, dass in solchen Börsenzeiten die Nervosität steigt. Sie äußert sich in der stark anziehenden Volatilität. Das entsprechende "Angstbarometer", der amerikanische VIX-Index, markierte zu Wochenbeginn ein mehrmonatiges Hoch und notiert wieder auf dem Niveau, das er in der scharfen Aktienkorrektur im Frühjahr erreicht hatte. Ende Februar war der Dax in nur einer Woche um acht Prozent eingebrochen.

"Die internationalen Aktienmärkte müssen einiges einstecken in den letzten Wochen", urteilt Matthias Hütgens vom Hamburger Wertpapierhandelshaus Wagner. Neben den Sorgen vor steigenden Renditen und Notenbankzinsen sowie den Unsicherheiten über die Entwicklung der US-Konjunktur und damit der Firmengewinne lasten vor allem die ins Schlingern geratenen Hedge-Fonds des Investmenthauses Bear Stearns auf dem Finanzsektor. Stearns muss nach Einschätzung des Merrill-Lynch-Analysten Guy Moszkowski bis zu sieben Mrd. Dollar aufwenden, um die Schieflage eines zweiten Hedge-Fonds zu beheben. Erst am Freitag hatte die Bank 3,2 Mrd. Dollar für die Stützung des "High-Grade Structured Credit Fund" bereitgestellt.

Hoffnung besteht nach einem Blick auf das Chartbild, solange der S&P nicht unter die kritische Marke von 1 487 Punkten rutscht. Hier liegt das Tief aus der Korrektur von Anfang Juni. Hält sich der Index darüber, war alles nur eine kleine Konsolidierung. "Geht es aber nachhaltig, also per Schlusskurs, unter dieses Niveau, dann ist die doppelte Spitze vollendet", sagt HSBC-Analyst Sartoris. Das Negativszenario wäre vollendet und der Aufwärtstrend erst einmal Vergangenheit. Dax und Co dürften folgen. Sartoris: "Warnzeichen dafür gibt es zweifellos, aber eine große Abwärtsdynamik ist bislang nicht zu erkennen."

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