Spätestens im kommenden Jahr fällt die Marke von 1 000 Dollar
Charttechnik signalisiert steigenden Goldpreis

Edelmetalle gewinnen - Aktien verlieren. Diese grobe Formel gilt seit der Jahrtausendwende: Aktien liegen in diesem Zeitraum etwa um ein Drittel im Minus, während sich der Dollar-Goldpreis seit seinem Tief bei 250 Dollar vor knapp zehn Jahren fast vervierfacht hat - und wann er die Marke von 1 000 Dollar je Unze knackt, ist nur eine Frage der Zeit.

RIGA. Marktpsychologisch gesehen sind Wertpapiercharts eine höchst tautologische Angelegenheit. Händler ziehen Linien, aus denen sie Rückschlüsse auf das Verhalten anderer Marktteilnehmer schließen, und gesellen sich im Anschluss mit ihren eigenen Marktaktivitäten zur Mehrheit der Anleger. Dadurch werden Trends erst möglich und gleichzeitig auch verstärkt.

Anschauung für diese Mechanismen gibt derzeit der Chart des Goldpreises. Hier sind sogenannte aufsteigende Dreiecksformationen erkennbar (siehe Grafik). Bei einer solchen Dreiecksformation lässt sich in der Regel ein intakter Aufwärtstrend feststellen und oberhalb desselben eine waagrecht verlaufende oder leicht fallende Widerstandslinie. Die hinter der Formation stehende Psychologie der Händler läuft dabei wie folgt ab: In der Nähe des Aufwärtstrends zu kaufen, gilt als sichere Sache, denn Trendlinien weisen eine empirisch nachweisbare Anziehungskraft auf.

An der höher liegenden Widerstandslinie zu verkaufen, gilt ebenfalls als eine sichere Sache. Denn offenbar gibt es starke Kräfte, die am Widerstandskurs so viel Verkaufsdruck aufbauen, dass der Preis anschließend üblicherweise wieder einbricht. Als Wertpapierhändler schließt man sich diesen Marktkräften vorsichtshalber an.

Laufen die beiden Linien dreiecksförmig zusammen, wie beim Goldpreis, muss eine der beiden Seiten spätestens zum Zeitpunkt, an dem sich die Linien kreuzen, den Kürzeren ziehen. In der Regel gewinnt die Seite, die mit dem Trend geht.

Nach dieser Logik ist es beim Goldpreis nur eine Frage der Zeit, bis die Wirkung des Aufwärtstrends den technischen Widerstand bei 1 000 Dollar je Unze sprengen kann. Spätestens im kommenden Jahr wird die Luft zwischen den beiden Linien so dünn, dass der Preis diese technische Marke aller Voraussicht nach oben durchbricht. Im nebenstehenden Chart gut zu erkennen ist eine ähnliche Situation aus dem Jahr 2007, als der Widerstand bei 700 Dollar brach und der Kurs in nur zwei Quartalen um fast 50 Prozent zulegte.

Einer der stärksten Gründe für einen steigenden Goldpreis ist die derzeit weltweit gleichzeitig praktizierte extrem laxe Geldpolitik. Das kurze Zinsende, sprich die Leitzinsen, liegt zwischen null und einem Prozent. Selbst zweijährige Staatsanleihen rentieren nur wenig über ein Prozent.

Man muss damit auf sehr wenig Rendite verzichten, um immer fraglicher werdende staatliche Bonität - siehe drohende Abwertung der Kreditwürdigkeit Englands - gegen zeitlose und staatenlose Bonität in Form von Gold zu tauschen.

Der Autor, Felix Pieplow, ist Geschäftsführer von Staedel Hanseatic.

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