Weitere Konsolidierung erwartet
Europäischen Aktien fehlt die Unterstützung

Der Wonnemonat Mai hatte in den ersten Handelstagen bei den europäischen Dividendenpapieren mit Kursgewinnen begonnen. Doch die Freude darüber währte nicht lange. Vor allem in der vergangenen Woche gab es eine rasante Abwärtsbewegung. Die Börsenweisheit "Sell in may and go away" hat sich bislang somit bewahrheitet. Die Situation bei den Stoxx-Indizes deutet auf eine Fortsetzung der Konsolidierung hin.

DÜSSELDORF. Der Schrecken für die Anleger begann am 10. Mai - einen Tag, nachdem viele Europa-Indizes neue Jahreshochs markiert hatten. Aus einer überkauften Situation heraus leitete der DJ Stoxx 50 eine technische Korrektur ein, bei der die aus fünf Auflagepunkten bestehende horizontale Unterstützungslinie bei 3 549 Punkten ohne nennenswerten Widerstand nach unten durchbrochen wurde. Aber damit noch nicht genug. Auch die untere Rückkehrlinie des aus dem Jahr 2003 stammenden Aufwärtstrendkanals bei 3 506 Zählern vermochte nicht, den Kursrückgang aufzuhalten. So auch nicht die Begrenzungslinie bei 3 455 Punkten. Der aus bekannten Aktien wie beispielsweise ABN Amro, Nokia und Total zusammengestellte Index sackte weiter bis in den Bereich um 3 350 Punkten ab. Hier besteht die Möglichkeit einer Kursstabilisierung.

Bei 3 349/3 351 Zählern verläuft eine aus sieben Auflagepunkten bestehende Haltelinie, die durchaus als stabil bezeichnet werden kann. Diese Bastion wird durch den steigenden 200-Tage-Durchschnitt bei momentan 3 357 Punkten verstärkt. Für eine technische Erholung spricht aber auch die deutlich überverkaufte Lage des DJ Stoxx 50. Sowohl der Oszillator RSI (Relativ Strength Index) als auch die nach dem gleichnamigen Erfinder benannten Bollinger Bands signalisieren derzeit eine Übertreibung nach unten. Sollten die europäischen Blue Chips ihre technische Gegenbewegung nach oben aufnehmen, bestünde Aufwärtspotenzial bis zur ehemaligen Unterstützung bei 3 455 Punkten.

Eine mögliche technische Erholung ändert jedoch nichts an der derzeitigen desolaten Situation des DJ Stoxx 50, der zuletzt ein neues charttechnisches Verkaufssignal generiert hat. Der Trendfolgeindikator MACD (Moving Average Convergence/Divergence) signalisiert auf Tages- und Wochenbasis weiter fallende Kursnotierungen.

Sollte das europäische Börsenbarometer die Unterstützungszone bei 3 349/3 357 Punkten signifikant nach unten verlassen, dürfte die Korrekturphase fortgesetzt werden. Ein Indexstand von 3 260 Punkten - in diesem Bereich befindet sich eine weitere Unterstützung - oder darunter wäre dann nicht auszuschließen.

Christian Henke ist technischer Analyst bei der WestLB AG und Mitglied im Berufsverband der technischen Analyse Deutschlands.

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