1,50 Dollar angepeilt: Zinsspekulation treibt den Euro

1,50 Dollar angepeilt
Zinsspekulation treibt den Euro

In den USA haben Äußerungen von Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, Spekulation über eine kommende Zinssenkung entfacht. Die Maßnahme, welche die Wirtschaft vor einem Abwärtstrend bewahren soll, würde jedoch wieder den Dollar schwächen – und damit den Euro in neue Höhen treiben.

FRANKFURT/LONDON. Der Euro unternimmt, getrieben von Spekulationen auf drastisch sinkende US-Zinsen, einen neuen Anlauf auf die Marke von 1,50 Dollar. Am Mittwoch ist der Kurs zwar leicht gesunken. Doch der Markt erwartet nun, dass die Federal Reserve ihren Leitzins bis Herbst unter 2,75 Prozent senkt, um der Gefahr einer Rezession zu begegnen. Derzeit liegt er bei 4,25 Prozent.

Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,4830 US-Dollar, nachdem sie am Vorabend noch bei 1,4850 Dollar notierte. Ein Dollar war am Mittwochmorgen 0,6743 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro- Referenzkurs am Dienstag auf 1,4886 (Montag: 1,4895) Dollar festgesetzt.

Vertreter der EZB versuchen weiter den Eindruck zu erwecken, in Europa stünde eine Zinserhöhung bevor. Der Markt nimmt ihnen dies zwar nicht ab. Aber mit einer einzigen – zu 90 Prozent erwarteten – kleinen Zinssenkung in der zweiten Jahreshälfte auf vier Prozent, würde sich Europa dem sinkenden Zinstrend doch weitgehend entziehen. Wenn die Erwartungen der Marktteilnehmer einträten, würde aus einem derzeitigen Zinsvorsprung der USA von einem Viertel Punkt ein europäischer Zinsvorsprung von mindestens einem Prozentpunkt.

Höhere Zinsen in einem Land geben in der Regel der betreffenden Währung Auftrieb, weil sie ausländisches Kapital anzieht. Bei den Kapitalmarktzinsen sind die US-Zinsen in Vorwegnahme der Leitzinssenkungen bereits deutlich unter das Niveau in Europa gerutscht.

Am 10. Januar hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke die Zinssenkungsspekulation neu angeheizt mit den Worten, die Fed sei „bereit, wenn nötig substanzielle zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, um eine angemessene Absicherung gegen Abwärtsrisiken zu gewährleisten“. Seither wird spekuliert, dass die Federal Reserve schon vor ihrer turnusmäßigen Sitzung am 30. Januar die Zinsschraube lockern könnte. Das zeigt sich auch in den Kursen der Fed-Funds-Futures, das sind Wetten auf den Leitzins. Sie zeigen eine Wahrscheinlichkeit von einem Drittel an, dass der Leitzins bis einschließlich 30. Januar um 0,75 Punkte auf 3,5 Prozent sinkt. Da die Notenbank kaum je in einem Schritt um mehr als einen halben Punkt gesenkt hat, impliziert dies, dass die Notenbank einen ersten Schritt schon vor dem Treffen tun würde. An diesen Erwartungen änderte wenig, dass das „Wall Street Journal“ am Montag schrieb, die Notenbank werde nur dann eine außerordentliche Zinssenkung beschließen, wenn sich der Ausblick für die Wirtschaft in den kommenden Tagen drastisch verschlechtert.

Noch stärker als der Dollar wertet unter den großen Währungen nur das britische Pfund ab. Gestern war ein Pfund nur noch 1,3168 Euro wert, ein neuer Tiefstand. Vor sechs Monaten lag der Wechselkurs noch bei 1,45 Euro. Gegenüber dem Greenback sackte das Pfund auf 1,9634 Dollar ab, der tiefste Stand seit März 2007. „Seit dem Sommer hat eine Flut schlechter Nachrichten das Vertrauen in das Pfund untergraben“, erläutern die Analysten von BNP Paribas.

Die große Mehrheit der Volkswirte erwartet, dass sich die britische Wirtschaft in diesem Jahr empfindlich abkühlen wird. In der Folge erwarten die Analysten im Jahresverlauf eine Lockerung der Geldpolitik der Bank of England. Bis Ende 2008 sollen die Leitzinsen den Prognosen zufolge von aktuell 5,5 Prozent in Richtung 4,5 Prozent fallen. Darüber hinaus haben sich die Direktinvestitionen aus dem Ausland deutlich abgekühlt. Die Übernahmewelle britischer Großkonzerne durch internationale Investoren ist seit Ausbruch der großen Kreditkrise merklich abgeebbt.

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