100-Dollar-Marke aber noch nicht in Sicht
Experten sehen kein Ende des Ölpreisanstiegs

Der Atomstreit mit dem Iran und die Geiselkrise im Nahen Osten könnten den Ölpreis Analysten zufolge auf bisher unerreichte Rekordstände steigen lassen.

HB BERLIN. "Wenn sich der Iran-Konflikt nicht entschärft, wird der Ölpreis weiter steigen. Dann wird er über 80 Dollar je Barrel gehen“, sagte der Energieexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), Klaus Matthies, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Es seien aber auch noch höhere Preise möglich. Die Erfahrung habe gezeigt, dass der Ölpreis viel höher steige als Experten es im Voraus für möglich hielten.

Der Preis der Nordsee-Sorte Brent war am Donnerstag auf ein Rekordhoch von 75,60 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen, nachdem die fünf UN-Vetomächte und Deutschland am Mittwoch angekündigt hatten, den Iran-Streit an den Uno-Sicherheitsrat zurück zu verweisen. Der Terminkontrakt für US-Leichtöl stieg auf über 75,80 Dollar.

Zu den politischen Spannungen kommt hinzu, dass die Benzinreserven zum Auftakt der US-Feriensaison stärker gefallen waren als Analysten erwartet hatten. Experten rechnen aber derzeit nicht damit, dass der Ölpreis noch in diesem Jahr die Marke von 100 Dollar je Barrel erreichen wird. „Im kommenden Jahr wäre das aber durchaus möglich“, sagte Sandra Ebner von der Deka-Bank. Matthies pflichtete bei: „Um die 100er-Marke zu erreichen, müsste etwas Gravierendes passieren.“ Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Iran den Ölhahn zudrehen würde.

Barbara Lambrecht von der Commerzbank sagte, mittelfristig werde der Ölpreis steigen: „Aber die Fundamentaldaten sprechen gegen das Erreichen der 100er-Marke.“ Die sich in der zweiten Jahreshälfte abschwächende US-Konjunktur werde im kommenden Jahr das Wirtschaftswachstum im Rest der Welt dämpfen und damit auch die Ölnachfrage. „Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis Ende 2007 bei knapp 65 Dollar liegen wird“, sagte sie.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, zeigte sich besorgt über den hohen Ölpreis und mahnte zu großer Aufmerksamkeit. Der Ölpreis sei von Angebots- und Nachfrageschocks in die Höhe getrieben worden, sagte Trichet am Mittwochabend auf einem Wirtschaftsforum in Mailand. Die hohen Öl- und Rohstoffpreise dürften bei der Betrachtung der Inflation nicht außer Acht gelassen werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%