100 Dollar pro Barrel wahrscheinlich
Öl- und Goldpreise auf Höhenflug

Öl, Gold und Devisen - in den internationalen Märkten hat sich ein Überdruck aufgebaut. Sorgen über eine Eskalation der Konflikte im Nahen Osten, mögliche Lieferunterbrechungen und die angespannte Versorgungslage trieben die Ölpreise am Freitag zeitweise auf ein Rekordniveau von über 92 Dollar. Der Goldpreis verbuchte im Tagesverlauf mit 778,35 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) den höchsten Stand seit 1980.

HB NEW YORK. Der Dollar sackte auf ein Rekordtief ab. Die US-Währung kostete zeitweise weniger als 70 Euro-Cent. Angeschürt wurden die Märkte auch durch Spekulanten wie Hedge- Fonds und institutionelle Investoren. Sie haben ihr Augenmerk jetzt von den angeschlagenen Kredit- auf die boomenden Rohstoff- und Devisenmärkte umgelenkt und mischen dort in großem Stil mit.

All dies bedeutet für die Verbraucher weltweit viel höhere Benzin- Diesel- und Heizölpreise und neue Inflationsgefahren. Der schwache Dollar treibt nicht nur die Ölpreise in die Höhe, sondern auch Gold und andere Edelmetalle, die als Inflationsschutz gelten.

Leichtes Rohöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) kostete zeitweise 92,21 Dollar je Barrel (159 Liter) und lag im frühen Handel in New York mit 91,15 Dollar immer noch um 0,67 Prozent über dem am Vortag verbuchten bisherigen Rekordstand. Der Ölpreis ist innerhalb von zwei Tagen um rund vier Prozent in die Höhe geschossen und liegt momentan um fast 50 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Heizölpreise haben sich angesichts der bevorstehenden Winter- Heizsaison ebenfalls stark verteuert.

Die verschärften US-Sanktionen gegenüber dem Iran, dem drittgrößten Ölexporteur der Welt, und die Spannungen zwischen der Türkei, dem Irak und den USA wegen möglicher türkischer Angriffe auf kurdische Rebellen, verschärften die Nervosität an den Ölmärkten. Zwischenfälle im Nordirak könnten nach Darstellung von Ölfachleuten zu Lieferunterbrechungen aus dem dortigen Ölgebiet führen. Die OPEC hält sich offensichtlich auch mit Zusatzlieferungen zurück.

Der Goldpreis erreichte in New York den höchsten Stand seit 27 Jahren. Platin bewegt sich mit einem Preis von 1453 Dollar je Feinunze ebenfalls in Rekordnähe.

Der Euro stieg am Freitag auf einen neuen Höchststand von 1,4373 Dollar. Devisenhändler in New York gehen jetzt von einer neuen Widerstandslinie von 1,45 Dollar je Euro aus und halten auch einen Anstieg des Euro auf 1,50 Dollar nicht mehr für ausgeschlossen. Auslöser für einen neuen Dollar-Schub nach unten könnte eine Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank von 4,75 auf 4,50 Prozent am kommenden Mittwoch sein. Fallende US-Zinsen machen den Dollar unattraktiver.

Die Lage an den amerikanischen Bau-, Immobilien-, Hypotheken- und Kreditmärkten wird immer schlimmer und droht möglicherweise die ohnehin schwächelnde US-Konjunktur in eine Rezession oder zumindest in eine Stagnationsphase umschlagen zu lassen. Die US-Währungshüter unter Notenbankchef Ben Bernanke sind sichtlich besorgt und hatten den Leitzins erst vor wenigen Wochen um ein halbes Prozent reduziert.

Die Preise für Industrie- und Edelmetalle zogen zum Wochenschluss ebenfalls weiter an. Statistiken aus China zeigten, dass dort der Hunger auf Industriemetalle ebenfalls ungebrochen ist. So stieg die Kupferproduktion in China im September um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Importe kletterten um 17 Prozent. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigt indessen mit einer Rate von 11,5 Prozent. Die Tonne Kupfer verteuerte sich somit in London um fast ein Prozent auf 7820 Dollar. Damit ist eine Tonne des Metalls, das vor allem für die Herstellung von Stromkabeln und Wasserrohren verwendet wird, 1000 Dollar teuerer als noch zu Beginn des Jahres. Auch in diesem Sektor kompensiere der wachsende Bedarf der chinesischen Wirtschaft die US-Schwäche, erklärte Analyst Daniel Hynes von Merrill Lynch in London.

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