Devisen + Rohstoffe
50 Dollar für Barrel Öl - Psychologische Schwelle ist gefallen

Seit Wochen haben die Ölhändler den 50-Dollar-Preis für ein Fass Rohöl herbeigeredet, nun ist er da. Wie ein Fanal steht die Fünf - für den Beginn des Zeitalters teurer Energie ebenso wie für die Verunsicherung der Märkte und der ganzen Welt durch Terror, Krisen, Krieg und Naturkatastrophen. Die Verbraucher werden sich an dieses Niveau nach Meinung der meisten Experten gewöhnen müssen und damit an dauerhaft hohe Preise für Benzin, Heizöl, Gas und Strom. Eine Wende an den Energiemärkten ist nicht in Sicht.

dpa-afx HAMBURG. Seit Wochen haben die Ölhändler den 50-Dollar-Preis für ein Fass Rohöl herbeigeredet, nun ist er da. Wie ein Fanal steht die Fünf - für den Beginn des Zeitalters teurer Energie ebenso wie für die Verunsicherung der Märkte und der ganzen Welt durch Terror, Krisen, Krieg und Naturkatastrophen. Die Verbraucher werden sich an dieses Niveau nach Meinung der meisten Experten gewöhnen müssen und damit an dauerhaft hohe Preise für Benzin, Heizöl, Gas und Strom. Eine Wende an den Energiemärkten ist nicht in Sicht.

"Die Energiepreise bleiben hoch", sagt zum Beispiel Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (Hwwa). Er sieht den rasch steigenden Bedarf bei begrenzten Förderkapazitäten sowie die Sorgen am Ölmarkt über mögliche Lieferausfälle als die Hauptgründe für das hohe Preisniveau. Aber auch langfristig gibt es keine Signale, die auf eine Entwarnung hindeuten: Nach der Prognose der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wird der Ölverbrauch in den nächsten 25 Jahren weltweit um die Hälfte zunehmen, vor allem in den Schwellenländern. Die notwendigen Investitionen in den Öl-Sektor, für Förderanlagen, Pipelines, Häfen, Schiffe und Raffinerien betragen 100 Mrd. Dollar - Jahr für Jahr.

Experte: Heutige Preise Spiegeln Knappheit VON Morgen Wider

Die Spekulanten an den Terminbörsen, die an steigenden Ölpreisen verdienen, haben den kostbaren Rohstoff zusätzlich verteuert. Das sagen zumindest viele namhafte Experten, vom Präsidenten der Opec bis hin zum Chef der Deutschen BP. Die Angst- oder Krisenprämie wird je nach Quelle auf fünf bis 15 Dollar je Barrel beziffert. Andere haben ihre Zweifel. "Die heutigen Preise spiegeln die Knappheiten von morgen wider", sagt Heino Elfert vom Energie-Informationsdienst EID. "Entgegen vielfacher Behauptung sind Märkte nicht kurzsichtig." Auch Matthies ist skeptisch: "Eine Aufspaltung des Ölpreises in einen fundamentalen und einen psychologischen Teil erscheint höchstens mit großen Unsicherheitsmargen möglich."

Trotz der immer neuen Rekordpreise auf den Ölmärkten sind die Auswirkungen auf die Industrieländer weniger ausgeprägt als bei den früheren Ölpreiskrisen. Die deutschen Konjunkturforscher arbeiten gerade an ihrem Herbstgutachten und diskutieren die Wirkung der Energiepreise auf die Konjunktur. Sie werden voraussichtlich ihre Wachstumsprognosen für das nächste Jahr um einige Zehntelprozente niedriger ansetzen - aber das teure Öl führt nicht zur Rezession. Das war in den siebziger Jahren anders, als das Opec-Kartell die Preise einseitig heraufsetzte, bis die deutsche Regierung Sonntags- Fahrverbote verhängte.

Deutschland HAT Abhängigkeit VON ÖL Verringert

Deutschland hat seitdem die Abhängigkeit vom Öl verringert. Die Rohöl-Einfuhren gingen seit 1980 von 120 auf 106 Mill. Tonnen Rohöl zurück, trotz stark gestiegener Wirtschaftsleistung. In den vergangenen Jahren stagnierte der Ölverbrauch im wesentlichen. Der reale Ölpreis - also unter Einrechnung der Kaufkraftveränderung - ist nach wie vor niedriger als Anfang der achtziger Jahre. Damals kostete das Barrel Öl in heutiger Kaufkraft je nach Berechnung 60 bis 80 Dollar./gi/DP/zb

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