Abhängigkeit von Importen trübt die Freude
Chinas Ölkonzerne melden Rekordgewinne

Chinas Ölkonzerne profitieren stark von den hohen Ölpreisen. Trotzdem existiert ein strategisches Problem: Als Nettoimporteur hängt der zweitgrößte Ölkonsument der Welt stark vom Öl aus dem Nahen Osten ab und die heimische Förderung stagniert.

HB PEKING. Die hohen Ölpreise haben auch Chinas Ölkonzernen reichlich Geld in die Kassen gespült. Petrochina, der größte Öl- und Gasproduzent des Landes, meldet einen Anstieg seines Nettogewinns im ersten Halbjahr um knapp 20 Prozent auf umgerechnet 4,5 Mrd. Euro. Dabei hat das Unternehmen die Förderung auf seinen alternden Ölfeldern im Inland lediglich um 0,5 Prozent gesteigert. Doch selbst das Raffinerie-Geschäft, bei dem Analysten wegen der steigenden Ölnotierungen Ertragsdellen erwartet hatten, verdreifachte den operativen Gewinn. Der Grund: Die Auslastung der Raffinerien nahm um 16,9 Prozent zu.

Auch der BASF-Partner Sinopec, der Chinas größtes Tankstellennetz betreibt und als Asiens größter Raffinerie-Betrieb gilt, schwimmt auf dieser Welle. Die Konzerntochter Sinopec Shanghai Petrochemical, Chinas führender Ethylen-Produzent, berichtet einen Anstieg des Nettogewinns um 214 Prozent für die ersten sechs Monate. Das Unternehmen profitierte nicht nur von der rasant wachsenden Nachfrage im Land, sondern auch von der höheren Auslastung. Zudem sind die Kapazitäten so geschrumpft, dass die Firmen höhere Preise durchsetzen. Und auch die Sinopec Zhenhai Refining, Chinas führendes Raffinerie-Unternehmen, meldet eine Verdoppelung des Nettogewinns.

Gerade hat Sinopec den Ausbau einer Chemieanlage in der Küstenprovinz Fujian für 3,5 Mrd. Dollar zusammen mit ExxonMobil und Saudi Aramco gemeldet. Auch Chinas größtes Offshore-Unternehmen CNOOC registriert mit einer Zunahme des Nettogewinns um 11,2 Prozent ein Rekordergebnis.

Doch die drei Ölkonzerne Chinas reflektieren mit ihren Halbjahresberichten ein wachsendes strategisches Problem des inzwischen zweitgrößten Ölkonsumenten der Welt: China ist seit 1993 Nettoimporteur und hängt mit zwei Dritteln seiner Importe stark von Öl aus dem Nahen Osten ab.

Zudem stagniert die heimische Förderung, da die Ölfelder schon alt sind. Die Ölförderung bei CNOOC blieb im ersten Halbjahr knapp hinter den Prognosen zurück, obwohl das Ziel schon defensiv gesteckt war. Petrochina konnte die lokale Ölproduktion nur um 0,5 Prozent steigern, während das Land allein im Juli seine Importe um 40 Prozent erhöhte. „Die stagnierende lokale Versorgung ist eine zentrale Sorge in China“, bestätigt Petrochina-Chef Chen Geng. Er sagt, allein seit Mai hätten drei Sitzungen mit Ministerpräsident Wen Jiabao zu dem Thema stattgefunden. Unter anderem um Exploration und Förderung von Öl zu erhöhen plant Petrochina chinesischen Medien zufolge den größten Börsengang in der Geschichte des Landes.

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