Abkopplung vom Dollar
Eine Region, eine Währung

Der schwache Dollar macht den Golfstaaten zu schaffen, die Inflation bewegt sich in Rekordhöhen. Deshalb wollen die Öl-Länder jetzt ihre Pläne für einen gemeinsamen Währungsraum wiederbeleben. Schon 2010 soll es soweit sein.

BERLIN. Der immer tiefer fallende Dollar hat die zwischenzeitlich gestoppten Pläne in den Golfstaaten zur Schaffung einer Währungsunion wiederbelebt. Die Zentralbankchefs der sechs Mitgliedsländer des Golf-Kooperationsrates (GCC) haben auf ihrer Sitzung vergangene Woche vereinbart, die bislang politisch blockierte Währungsunion nun doch zu beginnen.

Noch sieben Monate zuvor, auf dem vorhergegangenen GCC-Notenbanktreffen, war das Bündnis erneut verschoben worden. Seither hat der Dollar um weitere 14 Prozent an Wert gegenüber dem Euro eingebüßt. Das ist für die Petrostaaten am Persischen Golf besonders problematisch, da sie ihre Ölexporte in der US-Währung abrechnen und den Großteil ihrer Reserven in amerikanischen Staatsanleihen investiert haben.

Die Zentralbank-Chefs der sechs GCC-Mitglieder bekräftigten das Ziel, bis zum Jahr 2010 die vereinbarte Währungsunion doch zu verwirklichen. Das seit Jahren diskutierte Projekt war ursprünglich für 2005 geplant gewesen mit einer Gemeinschaftswährung im Jahr 2010. Damit orientieren sich die Golfstaaten an der EU: Auch dort war eine strikte Wirtschaftspolitik der Gemeinschaftswährung Euro vorgeschaltet.

Weil die Inflationsrate wegen des schwachen Dollars kräftig gestiegen ist, haben die Scheichs die Währungspläne wieder aus der Schublade geholt. Saudi-Arabien etwa, das wichtigste Ölförderland der Welt, hat mit 8,7 Prozent die höchste Preissteigerung seit 27 Jahren zu verzeichnen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten liegt die Preissteigerung bei 9,3 Prozent und in Katar, dem inzwischen größten Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG), sogar bei 13,7 Prozent.

In den VAE hatte die nachlassende Kaufkraft bereits zu Protestaktionen der ausländischen Arbeitskräfte geführt. „Inflation ist inzwischen zum größten makroökonomischen Risiko der Golfstaaten geworden, allerdings auch für eine neue Gemeinschaftswährung“, sagt Caroline Grady, Deutsche Bank-Ökonomin für die Region. Die Koppelung ihrer Landeswährungen erfordere es sogar, trotz des Booms Zinssenkungen parallel zur Fed zu machen. Dem GCC gehören Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien sowie die VAE an.

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