Absicherung im Trend
„Es reicht nicht zu beten, dass der Goldpreis steigt“

Die massiven Kursverluste beim Goldpreis zwingen Goldproduzenten wieder zu einer alten Praxis zurückzukehren: Der Absicherung am Terminmarkt. Doch auch bei dieser Methode kann man sich kräftig verzocken.
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FrankfurtDer Einbruch beim Goldpreis lässt eine Rückkehr zur früher geübten Praxis des Absicherns durch Terminverkäufe erwarten. In den vergangenen Jahren haben Investoren und Produzenten das sogenannte Hedging gemieden, nachdem sie zum Ende des vergangenen Jahrzehnts mindestens 10 Milliarden Dollar für die Abwicklung von Termingeschäften aufwenden mussten.

„Wir können nicht einfach den Kopf in den Sand stecken und beten, dass der Goldpreis wieder steigt”, sagt Gavin Thomas, Vorstandschef der in Sydney ansässigen Kingsgate Consolidated , die die größte Goldmine Thailands betreibt. Trotz des Widerstands der Investoren erwägt er die Absicherung seiner Goldproduktion über Terminverkäufe. „Hedging ist eine Aussage zum Goldpreis. Wenn ich glaube, dass der Preis steigt, betreibe ich kein Hedging, wenn ich an einen Abwärtstrend glaube, betreibe ich Hedging.”

Russlands zweitgrößter Goldproduzent Petropavlovsk und die australische OceanaGold haben mit der Absicherung über Terminverkäufe begonnen, und Broker wie Société Générale rechnen damit, dass weitere Unternehmen ihre Produktion ebenfalls absichern. Damit hoffen die Produzenten angesichts eines weiteren erwarteten Preisverfalls bei Gold ihre Erlöse anzukurbeln und sicherzustellen, dass sie ihre Verbindlichkeiten bedienen können. Erstmals seit 2000 steuert der Goldpreis auf ein Verlustjahr zu. Terminverkäufe der Goldproduktion könnten den Abwärtstrend beim Goldpreis weiter fördern, warnt die Bank Julius Bär.

„Es gibt nur wenige Goldproduzenten, die keine Probleme haben”, konstatiert Tim Schroeders, Fondsmanager bei Pengana Capital in Melbourne. „Viele haben hohe Schulden oder hohe Kosten. Die Produzenten müssen Hedging in Erwägung ziehen.”

Beim Hedging verkaufen Goldproduzenten ihre künftige Produktion zu einem Festpreis, um sich Kredite zu sichern und ihre Margen zu schützen. In den vergangenen zehn Jahren, als Gold die längste Rally seit mindestens neun Jahrzehnten hinlegte, verlor die Strategie an Bedeutung. Die Investoren übten Druck auf die Goldproduzenten aus, ihre Terminverkäufe aufzulösen, als der Goldpreis sich während der Rally verachtfachte. AngloGold Ashanti investierte 2010 2,6 Milliarden Dollar in die Auflösung seiner Terminverkäufe, beim Branchenprimus Barrick Gold fielen im dritten Quartal 2009 5,6 Milliarden Dollar für die Aufgabe des Hedgings an.

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„Der Goldpreis wird auf 1.050 Dollar fallen“

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  • @pom_muc
    Ja, richtig aber früher auf lange Sicht, heute dreht sich das Karussell doch viel schneller durch stopp-loss, etc. Marken und computerhandel und die Wertsteigerungen sollen in kürzerer zeit erreicht werden.

  • @ Liskow

    Natürlich liegen Sie bezüglich der Aktien falsch!

    Noch nie hat es funktioniert dass die Dividenden abzüglich der Steuern langfristig die Inflation schlagen konnten. Aktien werden genauso wie alle anderen Anlagen unter dem Aspekt Wertsteigerung gekauft.

  • Kein Lotto? Weil man die Lottozahlen nicht manipulieren kann
    Ich bin nur ein einfacher Versicherungsmakler, der sich ein bisschen für dies und das interessiert, darum bitte nicht lachen aber: Prognosen können aus meiner Sicht doch nur funktionieren, wenn alle Marktteilnehmer das auch wollen?!?
    Kaufte man früher an der Börse, legte man das Produkt hin und lies es sich entwickeln, es gab Dividenden von denen man gut leben konnte; heute wird gekauft um morgen Gewinne mitzunehmen. Da ist natürlich der Anreiz groß, günstige Prognosen zu stellen um mehr Käufer und steigende Preise ( Kursgewinne) zu erreichen. Wie falsch liege ich?
    Michael Liskow, Hannover

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