Absicherung wichtig
Der Ölpreis ist die Leitwährung am Gasmarkt

Der Gaspreis ist in Deutschland und anderen europäischen Ländern meist an den Preis für leichtes und schweres Heizöl gekoppelt. Für Unternehmen ist eine Absicherung wichtig.

HB MÜNCHEN. In Deutschland kommt überwiegend der Rheinschiene-Index des Statistischen Bundesamtes zur Anwendung. Diese Kopplung ist für eine Vielzahl von Unternehmen - insbesondere für energieintensive Industriebetriebe - in den vergangenen Jahren zu einem Risiko geworden. Rohöl- und Benzinpreise sind erheblich gestiegen, ähnlich haben sich auch die Preise für Heizöl entwickelt, die für einen signifikanten Anstieg der Gaspreise verantwortlich sind.

Aktuell wird die Schaffung eines Gashandels in Deutschland diskutiert, wie er sich beispielsweise in Großbritannien etabliert hat. Dort sind Lieferverträge üblicherweise an den täglichen Gas Spotindex NBP gekoppelt. Kunden können sich mittels Finanzinstrumenten - meist Swaps oder Optionen - gegen Preisrisiken absichern. Die Derivate gleichen die gestiegenen Beschaffungskosten finanziell aus und machen die Kosten planbar.

Trotz diskutierten Gashandels wird momentan nicht erwartet, dass dieser die deutsche Ölpreisbindung in naher Zukunft ablösen wird. So ist für betroffene Unternehmen weiterhin der Ölmarkt die entsprechende "Leitwährung" des Gaspreises. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Energiepreise sowie die großen Preisschwankungen in kurzen Zeiträumen machen den Einsatz von Preisabsicherungsinstrumenten sinnvoll. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, deren Anteil der Energiekosten an den Gesamtkosten hoch ist. Sie benötigen Planungssicherheit. Aber auch für Gaslieferanten bietet sich durch Derivate die Möglichkeit, ihren Kunden die Ölpreisbindung in einen Festpreis umzuwandeln.

Für die effiziente Preissicherung sollte der in der Preisformel des Liefervertrages (beispielsweise Rheinschiene HEL) enthaltene Index als Basiswert vereinbart werden, da nur so eine hundertprozentige Absicherung möglich ist. Wird die Absicherung auf ein anderes Produkt als den im Liefervertrag enthaltenen Index abgeschlossen, und ist die Preisentwicklung der beiden möglicherweise unterschiedlich, kann ein so genanntes Basisrisiko entstehen. Ist der Gasliefervertrag an die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Rheinschiene-Werte gekoppelt, sollte also auch die Absicherung auf diesen Index lauten. Durch den Einsatz von Derivaten kann flexibler auf Marktpreisschwankungen reagiert werden als durch die reine Preisfixierung der physischen Beschaffung.

Die üblichen Instrumente sind Swaps, Optionen und Futures. Durch einen Swap oder einen Future lässt sich der Preis für eine zukünftige Lieferung fixieren, hingegen profitiert der Käufer einer Call-Option von sinkenden Preisen, da seine Absicherung nur eine Preisobergrenze darstellt. Diese muss er mit einer Optionsprämie bezahlen. Ein Swap verursacht keine direkten Kosten, da es sich nur um den Tausch von Zahlungsströmen handelt. Swaps und Optionen werden üblicherweise Regel bilateral mit einem Handelspartner im OTC-Handel abgeschlossen. Bei Futures hingegen handelt es sich um ein börsengehandeltes Produkt, das über eine Bank oder einen anderen Börsenhändler abgeschlossen werden kann.

Lars Mähl ist Seniorhändler Energie- und Rohstoffe bei der BayernLB.

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