Absturz unter 50 Dollar
Ölpreis-Schock für die Scheichs

"Die Opec erweckt den Eindruck von Uneinigkeit", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Schließlich hätten bereits mehrere Kartellmitglieder eine Kürzung für Ende November in Aussicht gestellt. Für Markus Mezger, Managing Partner von Tiberius Asset Management, ist die Kürzung der Produktion allein nicht ausschlaggebend. "Im Zweifel wird die Opec den Markt eher zu stark verknappen", sagt er. Die Frage sei, ob die Mitglieder die nötige Disziplin aufbringen, um die Kürzung auch umzusetzen. Bisher trage vor allem Saudi-Arabien die Last einer geringeren Förderung.

Bei den kommenden Opec-Treffen ist mit heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Preistreibern Iran und Venezuela sowie den gemäßigten Kräften um Saudi-Arabien zu rechnen. Fachleute am Persischen Golf schätzen, dass das Mullah-Regime eine Kürzung der Ölproduktion um 1,5 bis 2 Mio. Barrel am Tag fordern wird. "Teheran kämpft für einen Ölpreis von mindestens 100 Dollar pro Barrel", sagt Mustafa Alani von der unabhängigen Dubaier Denkfabrik Gulf Research Centre. In Riad heißt es, das Königreich strebe durch eine Verringerung des Outputs um 500 000 bis 750 000 Barrel pro Tag einen Preis von etwa 70 Dollar an. Traditionell ziehen die Saudis mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait an einem Strang.

Während die Ölscheichs Angst haben, dass ihre goldenen Jahre vorerst beendet sind, fürchten die Importeure vor allem, dass der Ölpreis umso heftiger zurückschnellt, wenn jetzt nicht genug in die künftige Produktion investiert wird. Denn eins ist klar: Die Abhängigkeit von der Opec wächst, weil der größte Teil der Ölreserven nun einmal rund um den Persischen Golf liegt. Der Produktion außerhalb der Opec hingegen droht womöglich ein unumkehrbarer Abwärtstrend. Neue Felder zu erschließen wird immer kostspieliger und technisch komplizierter, während viele bestehende Felder Jahr für Jahr mehrere Prozent weniger Öl ausstoßen. Die IEA hat das auf den Punkt gebracht: Bis 2030 müssten sechs neue Saudi-Arabiens erschlossen werden, um den globalen Bedarf zu decken.

Die westlichen Energiekonzerne gehen darum auf mittlere Sicht von einem steigenden Ölpreis aus. "Die Ära des billigen Öls ist vorbei", sagt BP-Chef Tony Hayward. Das Bevölkerungswachstum und der Industrialisierungsschub in den Schwellenländern würden das Wirtschaftswachstum ankurbeln. "Wenn die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst, wird auch die Nachfrage anziehen." Laut Mike Cussons, Explorationschef bei Weltmarktführer Exxon Mobil, muss die Produktion jährlich um eine Mio. Barrel steigen. BP-Chefökonom Christoph Rühl sieht den Ölpreis heute viel stärker an die Zyklen der globalen Konjunktur gekoppelt als in der Vergangenheit: "Das sorgt für eine wesentlich höhere Volatilität." Hinzu komme, dass zwischen 40 und 45 Prozent der Ölproduktion in der Hand von Staatsfirmen lägen. "Sie investieren weniger, weil ihnen vor allem an einer langfristigen Einkommensquelle liegt. Private Unternehmen nehmen dagegen für die Aussicht auf hohen Gewinn Geld in die Hand."

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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