Abwertungsdruck
Russland stemmt sich gegen Rubelkrise

Der fallende Ölpreis, die Stärke des Dollars und der Abschwung der heimischen Wirtschaft setzen die russische Regierung unter Zugzwang: Experten fordern eine entschlossene Abwertung der russischen Landeswährung, um die Krise zu stoppen. Die Regierung hingegen verteidigt den Rubel, weil sie keine Erinnerungen an die Krise der 90er wecken will.

MOSKAU. Der russische Rubel gerät immer stärker unter Druck. Während Premierminister Wladimir Putin auf „unfaire Märkte“ schimpft, rufen Analysten immer lauter nach einem harten Abwertungsschnitt. Zuletzt meldete sich der Chef-Ökonom von Russlands ältester Investmentbank Troika Dialog, Jewgenij Gawrilenko, zu Wort: Die Regierung solle ihre Bemühungen einstellen, den Rubel-Kurs zu verteidigen, forderte er in einem Interview. Mit einer raschen Abwertung der Landeswährung um ein Fünftel hält er für das nächste Jahr gar ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent für möglich. Ein solcher Schritt sei nur ein „kleiner Schock“ für die Wirtschaft.

Die hat Impulse dringend nötig: Jüngst korrigierte die OECD ihre Wachstumsprognose für 2009 auf 2,3 Prozent nach unten. Auch das russische Wirtschaftsministerium hat seine Erwartungen mit dem fallenden Ölpreis konstant nach unten korrigiert und rechnet jetzt in einem „Basisszenario“ mit 3,5 Prozent. Die Finanzkrise schlägt nun mit Macht auf die reale Wirtschaft ein: Die russische Industrieproduktion ging im November stärker zurück als im Jahr der Russlandkrise 1998.

Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ rechnen die Spezialisten im Ministerium auch mit einem deutlich niedrigeren Kurs des Rubels zum Dollar im kommenden Jahr. Der dürfte von seinem aktuellen Niveau von 28 Rubel auf 32 Rubel je Dollar absinken, erwarten die Ökonomen nach Angaben der Zeitung.

Die russische Währung hat seit August bereits rund 19 Prozent ihres Wertes zum Dollar eingebüßt. In dieser Zeit zogen Investoren nach einer Schätzung von BNP Paribas rund 190 Mrd. Dollar aus dem Land ab. Die Währungsreserven purzelten von knapp 600 Mrd. Dollar auf heute 450 Mrd. Dollar – vor allem auch deshalb, weil die Zentralbank bemüht ist, eine radikale Abwertung zu bremsen.

Zwei Faktoren drücken mächtig auf den Rubel: Der Dollar-Euro-Kurs und der Ölpreis. Seit dem Sommer hat das Barrel Rohöl rund 100 Dollar eingebüßt. Der Preis für ein Barrel der russischen Sorte Urals kratzte gestern an der 40 Dollar-Marke. Die russische Zentralbank hält den Rubel zudem in einem Handlungsband zum Währungskorb aus Dollar und Euro. Bereits dreimal sah sie sich im vergangenen Monat dazu genötigt, die Bandbreite zu erweitern, zweimal allein in der vergangenen Woche. Gleichzeitig erhöhte sie die Zinsen.

Seite 1:

Russland stemmt sich gegen Rubelkrise

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%