Agrar-Rohstoffe
Südamerikas Fleischkonzerne bleiben gelassen

Die explodierenden Preise für Agrarrohstoffe haben Fleischproduzenten eiskalt erwischt - mit Ausnahme der großen Konzerne Südamerikas: Sie kommen mit den Höchstpreisen besser klar. Das gefällt auch Analysten.
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São PauloAnfang Juni noch rechneten die Fleischkonzerne weltweit mit einem margenstarken Jahr: Schließlich sollte in den USA die Soja- und Maisernte rekordhoch ausfallen. Die Farmer hatten die historisch größte Fläche im Mittelwesten der USA mit Mais bepflanzt. Die Hühner-, Schweine- und Rindfleischproduzenten freuten sich schon auf Niedrigpreise für ihre wichtigsten Vorprodukte. Doch dann setzte in den USA die stärkste Trockenheit seit fast einem halben Jahrhundert ein. Die Preise für die Agrarrohstoffe explodierten.

Die Lebensmittelindustrie erwischte die Hausse der Agrargüter auf dem falschen Fuß - vor allem in den USA: Sie hatten wegen des erwarteten Überangebots ihre Einkaufspreise auf den Terminmärkten weniger als sonst abgesichert.

"In den nächsten Monaten werden sie die gestiegenen Preise mit voller Wucht treffen", sagt Analyst Pedro Herrera von HSBC. Vor allem die Hühnermäster in den USA dürften davon betroffen sein. Denn bis September dürften die Preise weiter stark schwanken. Bis dahin sinken die globalen Vorräte rapide, und erst dann wird absehbar sein, wie stark der Ernteausfall in den USA tatsächlich ist.

Für die südamerikanischen Produzenten wirken die Rekordpreise wie eine Bonanza: Wer seine Ernte noch nicht vollständig verkauft hat, freut sich jetzt über die hohen Preise. Für die meist familiären Schweine- und Hühnermäster sind diese aber eine Katastrophe: Sie verkaufen ihre Hühner und Schweine zurzeit unter den Selbstkosten an die großen Verarbeiter - das Risiko tragen sie fast immer allein. Die Regierung will ihnen daher wegen des drohenden Notstands für einige Monate Mindestpreise garantieren.

Die großen südamerikanischen Fleischkonzerne dagegen kommen mit den Höchstpreisen für die agrarischen Rohstoffe besser klar. So haben etwa Brasiliens Hühner- und Schweinefleischverarbeiter ihre Wertschöpfungsketten in den letzten Jahren so stark ausgeweitet, dass die Rohstoffe in ihrer Kostenkalkulation weit weniger ausmachen.

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Zunehmend höherwertige Produkte

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  • So lange es noch tierschlachtungen gibt
    Wird es auch Schlachtfelder geben
    (Tolstoi)

    Na dann guten Appetit und fröhliches Halleluja in Syrien und Afganistan


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