Agrarprodukte im Anlegerblickfeld
Ernteausfälle heizen Spekulation an

An den Rohstoffmärkten wechseln die Favoriten. Nach Beobachtung von Analysten in London und New York stehen nun vor allem Agrarerzeugnisse im Fokus der Investoren.

LONDON. „An den New Yorker Märkten haben ganz besonders die Haussepositionen in Mais und Sojabohnen kräftig zugenommen“, stellt Sudakshina Unnikrishnan, Agrarspezialistin bei Barclays Capital in London fest. Und laut Internationalem Getreiderat, IGC, haben Indexfonds die Preise für Weizen im Februar deutlich in die Höhe getrieben. Zucker, dessen Preis sich binnen Jahresfrist etwa verdoppelte, und Mais profitieren laut Unnikrishnan indes vor allem von dem neuen Status als Energieträger der Zukunft – durch ihre Verarbeitung zu Ethanolkraftstoff.

Doch sind sich Analysten einig, dass auch das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei zahlreichen Agrarerzeugnissen für steigende Preise spricht. So haben wetterbedingte Ernteminderungen in Russland, der Ukraine, Teilen der USA und Indien den IGC jetzt veranlasst, für 2006/07 von einer stark auf 588 (Vorjahr 615) Mill. Tonnen reduzierten Weltweizenernte auszugehen. Die Vorräte drohten bis Ende des Wirtschaftsjahres auf nur noch 120 Mill. Tonnen zu schrumpfen. Dies wäre der niedrigste Stand seit Anfang der 80er-Jahre.

Bei Mais gelten Bestände dagegen noch als reichlich. Unklar sind aber gerade hier noch die möglichen Folgen einer Ausbreitung der Vogelgrippe. Die Londoner Economist Intelligence Unit, EIU, bezeichnet diese als „potenziell schwerwiegend“. Auch die Nachfrage nach Weizen wäre von einer solchen Entwicklung betroffen.

Die Deutsche Bank in London rät ihren Kunden zurzeit zu Engagements in Sojabohnen und Palmöl und weist auf den steigenden Importbedarf Chinas hin. Bei Soja entfielen auf China bis 2008 etwa 60 Prozent der weltweiten Bedarfszunahme, bei Palmöl 40 Prozent.

Hoffnungen auf weitere Preissteigerungen machten sich Anfang vergangener Woche die Anleger in Zucker. Der Preis für Weißzucker schnellte in London um drei Prozent auf 451 Dollar in die Höhe, als die Internationale Zuckerorganisation, ISO, für das Wirtschaftsjahr per Ende September 2006 ein Produktionsdefizit von zwei Mill. Tonnen voraussagte. Der Preis fiel aber ebenso schnell zurück – die neue Volatilität scheint damit auch die Agrarmärkte erfasst zu haben.

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