Agrarrohstoffe
Wenn Bauern zu Scheichs werden

Mit Investments in Öl und Kupfer sind Kapitalanleger in den vergangenen Jahren sehr gut gefahren. Wer in Weizen, Mais, Sojabohnen oder andere agrarische Rohstoffe investierte, wurde mit dieser Strategie weniger glücklich. Inzwischen mehren sich jedoch die Zeichen dafür, dass die zuletzt schwache Preistendenz am Markt für Agrarrohstoffe sich wendet. Als mögliche Preistreiber sehen Fachleute die weltweite Bevölkerungsentwicklung und den bis vor kurzem in seiner Bedeutung unterschätzten Megatrend zur Bioenergie.

HB FRANKFURT. Experten sprechen davon, dass sich mit der wirtschaftlichen und politischen Öffnung der Volksrepublik China das Konsumverhalten der 1,3 Milliarden Menschen im Reich der Mitte deutlich verändert. Die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln wird in den nächsten Jahren mit anziehendem Wirtschaftswachstum und zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung steigen. Die Regierung in Peking hat in ihren politischen Programmen der Ernährung ihrer Bürger absolute Priorität eingeräumt. Das Land schafft es nicht, Selbstversorger bei agrarischen Rohstoffen zu werden. Im Gegenteil: China hat in den vergangenen beiden Jahren die Einfuhren an agrarischen Rohstoffen mehr als verdoppelt. Die angespannte Situation zeigt sich vor allem daran, dass sich China in den vergangenen Monaten als aggressiver Käufer von Farm- und Forstland in Lateinamerika in Erscheinung getreten ist.

Indien wird als das von der Bevölkerung her zweitgrößte Land der Welt nach Überzeugung von Kommera Chakradhar Reddy, Fondsmanager des Charlemagne Magna India Fund, in den nächsten Jahren allerdings Selbstversorger bei agrarischen Rohstoffen bleiben. „Rund 50 Prozent der Arbeitskräfte Indiens sind nach wie vor in der Landwirtschaft tätig“, sagt der Experte. Die als ineffizient geltende Landwirtschaft des Landes, in dem rund 1,0 Milliarden Menschen leben, sperrt sich seit Jahren gegen die Öffnung des indischen Marktes und gegen billige Agrar-Importe.

Noch stellt das weltweite Bevölkerungswachstum insgesamt also keine Bedrohung für die Versorgung mit Agrarrohstoffen in der Welt dar. Betrachtet man jedoch die Schätzungen der Nahrungsmittel- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) über das künftige Bevölkerungswachstum in der Welt, dann müssen schon erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um den Hunger in der Welt stillen zu können.

Die FAO geht zwar davon aus, dass die Dynamik des Bevölkerungswachstums von plus 1,6 Prozent jährlich im Zeitraum von 1979 bis 1999 auf 1,2 Prozent jährlich im Zeitraum von 1999 bis 2015 und weiter auf jeweils 0,6 Prozent von 2015 bis 2030 nachlässt. Stimmen diese Zahlen, dann müssen dennoch im Jahr 2030 in der Welt nicht mehr rund sechs Milliarden Menschen, sondern 8,3 Mrd. Menschen ernährt werden. In diesem Kontext weist die FAO auch darauf hin, dass ein Viertel der Menschen in den Entwicklungsländern in extremer Armut – mit einem Einkommen von weniger als einem US-Dollar pro Tag – lebt.

Da die weltweit verfügbaren agrarischen Nutzflächen begrenzt erscheinen, drohen aus dem Mix von Bevölkerungswachstum und steigender Lebensmittelnachfrage mittelfristig erhebliche Versorgungsprobleme. Dies dürfte die Preise für Agrarrohstoffe nach oben schießen lassen. „Ackerland wird weltweit knapp“, sagt Dieter Rentschler, Geschäftsführer der auf Alternativ-Investments spezialisierten Aquila Capital. Auf der anderen Seite ist jedoch zu erwarten, dass es mit Hilfe der Agrar-Biotechnologie und moderner Anbaumethoden gelingen wird, das Problem zu mildern.

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