Agrarrohstoffe
Wette auf den Weizen

Der Welt droht ein dramatischer Mangel an Getreide, wenn in den kommenden Jahren keine Rekordernten eingefahren werden. Sollten die Agrarrohstoffe weltweit knapp werden, steigt auch ihr Preis. Anleger wittern bereits lukrative Investments - Weizen und Soja geraten wieder ins Visier globaler Spekulanten.

DÜSSELDORF. Eine geradezu trügerische Ruhe herrscht derzeit auf den Märkten für Agrarrohstoffe. Rekordernten in nahezu allen wichtigen Anbauländern haben dafür gesorgt, dass Getreide und Ölsaaten im letzten Jahr nicht zu übermäßig knappen - und damit wesentlich teureren Gütern - wurden. "Doch wir sind nur einen Lidschlag von einer dramatischen Mangelsituation entfernt, denn die weltweiten Vorräte konnten noch nicht wieder nennenswert aufgefüllt werden", warnt Clemens Große Frie, Vorstandsvorsitzender der Münsteraner Agravis Raiffeisen AG, dem nach der Baywa AG und Toepfer International drittgrößten deutschen Agrarhändler. In mahnender Erinnerung ist beispielsweise noch die sogenannte Tortilla-Krise 2007 in Mexiko, als sich der Preis für das aus Maismehl produzierte Grundnahrungsmittel vieler Mexikaner schlagartig verdoppelt hatte und deshalb sogar blutige Unruhen drohten.

In diesem Jahr rechnet das US-Landwirtschaftsministerium weltweit mit der zweitgrößten Getreide-Ernte aller Zeiten. Die Ernte für das Wirtschaftsjahr 2009/2010 mit einem voraussichtlichen Volumen von 1,73 Mrd. Tonnen wird im Ergebnis aber nur zu einer ausgeglichenen Bilanz zwischen Angebot und Nachfrage führen. Damit würden die Bestände nur um läppische drei Millionen auf etwas mehr als 350 Mio. Tonnen aufgestockt. Nach Ansicht von Agrarexperten wäre aber eine Reserve von ungefähr einer Jahresernte erstrebenswert.

Kein Fachmann glaubt derzeit ernsthaft daran, dass dieses Niveau in absehbarer Zukunft wieder erreicht werden kann. Schlagkräftigstes Argument ist allein die Tatsache, dass die Weltbevölkerung unaufhörlich jährlich um rund 80 Mio. Menschen wächst, das entspricht der kompletten Population Deutschlands.

Schon vor der Wirtschaftskrise konnten sich immer mehr Menschen in den aufstrebenden Entwicklungsländern verarbeitete Lebensmittel oder sogar Fleisch leisten. Aber um ein Kilo Fleisch zu erhalten, müssen etwa sieben Kilo Getreide verfüttert werden. Die Krise hat offensichtlich dazu geführt, dass der Fleischkonsum in Schwellenländern zuletzt nur moderat stieg und der weltweite Getreideverbrauch im Jahr 2008 weniger stark zulegte als in den vergangenen Jahren.

Glück im Unglück hatten Nahrungsmittelhersteller und Verbraucher auch, als auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise im vergangenen Jahr Investoren aus dem Agrarsektor Hals über Kopf aussteigen mussten, um liquide zu bleiben. Als Antwort auf diese Fluchtbewegungen sanken die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen an den Warenterminbörsen in Chicago und Paris binnen weniger Wochen um 50 Prozent.

"Die Spekulanten sind zurück", bestätigt jetzt allerdings Agravis-Chef Große Frie und verweist auf die Kursbewegungen der letzten Wochen. Während sich die Weizenpreise derzeit sehr volatil, aber noch auf niedrigem Niveau, bewegen, haben die Soja-Preise beinahe schon wieder altbekannte Höchstmarken erreicht.

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