Akteure halten sich mit Blick auf die bevorstehenden US-Arbeitsmarkten zurück – Spekulationen um Umschichtungen der Notenbanken
Charttechnik unterstützt Kursanstieg des Euros

Der Kurs des Euros hielt sich auch gestern deutlich über der Marke von 1,23 Dollar. Aus charttechnischer Sicht eröffnen sich damit Chancen auf weitere Kursgewinne für die europäische Gemeinschaftswährung.

HB DÜSSELDORF. Doch es gibt skeptische Stimmen, die auf mangelnde Begründungen für die aktuelle Abschwächung des Dollars verweisen. Insbesondere mit Blick auf die heutigen Arbeitsmarktdaten aus den USA hielten sich viele Marktteilnehmer zurück.

Zur Vorsicht mahnten etwa die jüngsten US-Konjunkturdaten. Der Beschäftigungsindex für Unternehmen des Institute for Supply Management (ISM-Index) außerhalb des verarbeitenden Gewerbes war im Juli auf 56,2, nach 57,4 im Juni gesunken. Dieser Rückgang dämpfte die Erwartungen für die bevorstehenden Arbeitsmarktdaten. Nach einer Umfrage von Bloomberg News wird für die USA mehrheitlich ein Stellenwachstum von 180 000 prognostiziert. „Der Beschäftigungsindex signalisiert, dass die Arbeitsmarktdaten wohl schlechter als erwartet ausfallen werden. Das ist negativ für den Dollar“, sagte Xinyi Lu, Chefstratege für internationale Staatsanleihen und Handel bei UFJ Bank Ltd. in Tokio der Agentur.

Michael Klawitter, Devisenexperte der WestLB, bleibt mit Blick auf die heutigen Arbeitsmarktdaten ebenfalls vorsichtig. Eine geringer Stellenzuwachs könnte den Euro in Richtung 1,25 Dollar bewegen, bei einer stärkeren Zahl sei hingegen ein Rückgang in Richtung 1,22 Dollar nicht ausgeschlossen. Darüber hinaus mahne die Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Dienstag zur Zurückhaltung. „Es gibt keinen Anlass auf eine deutliche Erholung des Euros zu setzen“, sagte Klawitter.

Den „Schlüssel für den Dollar-Trend“ sieht der WestLB-Experte an anderer Stelle. Denn mehrfach wurde zuletzt über die Diversifikation der Devisenreserven und damit verbundene Kaufinteressen von Notenbanken und anderen Adressen spekuliert „Namen aus dem Nahen Osten, die für Ölgeld stehen, waren die größten Euro-Käufer“, sagte Greg Gibbs, Devisenstratege bei RBC Capital Markets in Sydney gegenüber Bloomberg. „Es hieß, dass Ölproduzenten aus dem Mittleren Osten ihre aufgeblähten Petro-Dollar in Euro tauschten. Das war der wahrscheinlichste Katalysator“, analysierte auch John Kyriakopoulos, Devisenstratege der National Australia Bank. Angeheizt worden sei der Euro-Kurs von Spekulationen, dass die Saudia Arabian Monetary Agency 1,5 Mrd. Euro bis 5 Mrd. Euro gekauft und dafür Dollar eingetauscht habe. Zuletzt hatte die russische Zentralbank die Euro-Gewichtung im Währungskorb, mit dem der Kurs des Rubels festgelegt wird, leicht erhöht.

Mit dem Ausbruch über 1,2260 Dollar hat sich das charttechnische Bild für den Euro deutlich verbessert. Klawitter sieht die nächste Widerstandszone nun bei 1,2360/70 Dollar. Denkbar sei nun sogar eine Bewegung auf Kurse von bis zu 1,27 Dollar. Laut Ralf Umlauf von Helaba Trust ist „die Bodenbildungsphase des Euros abgeschlossen und ein mittelfristiger Anstieg kann beginnen“.

Besonders negativ werten Analysten, dass der Dollar zuletzt nicht von den positiven Konjunkturdaten profitiert habe. „Auf Grund des intakten technischen Bildes sehen wir Potenzial bis 1,2480 Dollar in den nächsten Wochen“, so Umlauf. Nach Einschätzung der UBS-Experten rücken „die strukturellen Schwachstellen des Dollars“ wieder in den Vordergrund. Der Euro könnte daher bis Ende des Jahres auf 1,30 Dollar steigen.

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