Aktien und Euro im Höhenflug
Risikokapital kehrt an die Märkte zurück

Die wochenlange Flucht aus riskanten Anlagen ist voerst beendet. Bestärkt durch staatliche Rettungsaktionen und zahlreiche Zinssenkungen fassen die internationalen Investoren wieder Vertrauen. Gelder, die im Dollar geparkt waren, kommen nun wieder in Umlauf. Davon profitiert neben den Aktienmärkten auch der Euro.

FRANKFURT. Die Krisenbekämpfungsmaßnahmen von Regierungen, Notenbanken und Internationalem Währungsfonds haben den Investoren weltweit neue Zuversicht gegeben und die Schnäppchenjäger auf den Plan gerufen. Der zuvor so gebeutelte Euro erholte sich kräftig gegenüber dem Dollar und noch stärker gegenüber dem zuvor so starken Yen. Auch Krisenwährungen wie der ungarische Forint verzeichnen starke Kursanstiege.

Nachdem die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins am Mittwoch um einen halben Punkt auf ein Prozent senkte und weitere Zinssenkungen in Aussicht stellte, schwoll der Investitionsstrom in zuvor gescheute riskante Anlagen weiter an. Anlagekapital, das die Investoren in den vergangenen Wochen aus allem abgezogen hatten, was irgendwie nach Risiko roch und in sicheren Dollar-Anlagen geparkt hatten, fließt nun zurück an die Märkte in Asien und Europa. Die Aktien in Tokio und Hongkong legten überwiegend zweistellig zu. Auch die osteuropäischen Aktienmärkte verzeichneten hohe Gewinne. Allein in den letzten vier Tagen ist der Nikkei Index um annähernd 30 Prozent nach oben geschossen.

Soweit das Geld in Dollar geparkt war, erhöht die Rückkehr an die internationalen Märkte das Dollarangebot an den Devisenmärkten und drückt dadurch den Kurs der US-Währung."Die Stabilisierung der Aktienmärkte lässt die Anziehungskraft des Dollars als sicheren Hafen verblassen", meint David Powell, Währungsstratege der Bank of America.

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Neben der Zinssenkung durch die US-Notenbank, die erwartetet worden war und schon im Vorfeld die Aktienmärkte in Asien beflügelt hatte, trug zur Stimmungsverbesserung an den weltweiten Finanzmärkten die Ankündigung der Federal Reserve bei, den Notenbanken von Brasilien, Mexiko, Südkorea und Singapur über so genannte Swap-Vereinbarungen direkten Zugang zu Dollar-Liquidität zu geben. Der Internationale Währungsfonds legte zudem ein Programm auf, mit dem er Schwellenländern ohne die sonst üblichen Verhandlungen und Bedingungen mit Liquiditätshilfen unter die Arme greift. Und schließlich schürten Medienberichte die Erwartung einer Zinssenkung durch die Bank von Japan.

Die Entspannung an den Finanzmärkten führte am Devisenmarkt zu scharfen Kursauschlägen-eine Umkehrung der krisenbedingten Bewegungen aus der ersten drei Oktoberwochen. Der Euro, der zwischenzeitlich bis auf 1,21 Dollar abgesackt war, erreichte am Donnerstag fast die Marke von 1,33 Dollar. Der Yen, der zuvor sogar dem wiedererstarkenden Dollar davongeeilt war, verlor in nur vier Handelstagen gegenüber der US-Währung sechs Prozent und gegenüber dem Euro elf Prozent auf 128 Yen je Euro.

Das deutet darauf hin, dass die so genannten Carry Trader ihre Positionen nicht weiter auflösen müssen, oder diese sogar wieder ausbauen. Als Carry Trades bezeichnet man Geschäfte, bei denen sich spekulative Investoren Geld in Währungen mit niedrigen Zinsen wie dem Yen und in gewissem Maße auch dem Dollar leihen, um es in Währungen mit hohen Zinsen wie dem Euro anzulegen. Das schwächt die Währung, in der die Mittel aufgenommen werden und stärkt die Anlagewährung.

Solche Carry Trades hatten nach Einschätzung von Experten in den vergangenen Monaten in großem Ausmaß stattgefunden. Als sich die Finanzkrise in den letzten zwei Monaten zuspitzte und die Spekulanten nicht mehr problemlos Kredit für ihre Geschäfte bekamen, mussten sie diese massenhaft auflösen und verursachten damit die Yen-Stärke und die Euro-Schwäche der letzten Wochen. Nachdem nun die Zuversicht an die Finanzmärkte zurückgekehrt ist, schlagen die Devisenmärkte erneut die Gegenrichtung ein.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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