Allianz gegen Preisrutsch
Ölmarkt: Russland und Opec nähern sich an

Der rasche Verfall der Ölpreise bringt die Förderstaaten einander näher. Das Ölkartell Opec hat die Staaten außerhalb der Organisation aufgefordert, sich an Produktionskürzungen zu beteiligen. Und auch bei Gas zeichnen sich länderübergreifende Initiativen ab.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Unter den Energieproduzenten wächst der Druck, stärker zusammenzuarbeiten. Nach dem Vorbild der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) planen nun Russland, Iran und Katar ein Gaskartell. Die Öl-Opec sucht dagegen den Schulterschluss mit den Nicht-Opec-Anbietern, um den Fall der Ölpreise zu stoppen.

Opec-Präsident Chakib Khelil hat die Ölförderländer außerhalb seiner Organisation aufgefordert, sich an Produktionskürzungen zu beteiligen. Das Ölkartell trifft sich am Donnerstag und Freitag, um über seine Förderquoten zu beraten. Bereits im Vorfeld der Tagung zeichnete sich eine Verringerung der Produktion von rund 29 Mio. Barrel (je 159 Liter) um zwei Mio. Barrel ab.

Die Ölpreise haben bereits auf die Kürzungspläne reagiert. Das europäische Brentöl kostete am Spotmarkt zeitweise über 70 Dollar und lag zuletzt knapp unter 67 Dollar. Noch im Juli waren die Preise auf das Rekordhoch von gut 142 Dollar geklettert, wegen Rezessionsängsten dann aber abgestürzt.

Khelil forderte von Ländern wie Russland, Norwegen und Mexiko, dass diese etwas zur Preisstabilisierung beitragen sollten. Der Opec-Präsident hält "ein Ölpreisniveau zwischen 70 und 90 Dollar für alle Seiten am besten". Unter 70 Dollar gerieten eine Reihe von Investitionsprojekten ins Stocken. Russland zögert offenbar noch, seine Produktion mit der Opec abzustimmen. Eines ist aber klar: Der neben Saudi-Arabien größte Förderer der Welt nähert sich dem Kartell an. Gestern traf Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri in Moskau ein, um über Kooperations-Formate zu sprechen. Russlands Energieminister Sergej Schmatko schloss zwar aus, dass konkrete Produktionsabsprachen getroffen werden könnten. "Wir werden aber sicher über die Situation auf dem Markt sprechen", so Schmatko.

Der russische Schmusekurs mit der Opec hatte im September begonnen, als der stellvertretende Ministerpräsident Igor Setschin mit einer hochkarätigen Delegation zum Opec-Treffen anreiste. Russland hat derzeit den Status eines Beobachters. In der Vergangenheit waren aber alle Versuche, Russlands Produktion stärker mit der Opec zu synchronisieren, gescheitert. Die privatisierte Industrie zog es meist vor, ihre Gewinne zu maximieren. Nachdem der Staatsanteil wieder erheblich gestiegen ist, hat die Regierung mehr Möglichkeiten durchzugreifen.

Die Opec-Delegation werde in Moskau die Lage sondieren, wie sich Russland bei einer Förderkürzung von über einer Mio. Barrel am Tag verhalten werde, vermutet Waleri Nesterow von Troika Dialog. Ziel dürfte es sein, eine Zusicherung der Russen zu bekommen, sich auf den Opec-Märkten zurückzuhalten. Laut Experten könnten aber wegen der geologischen Beschaffenheiten die russischen Ölfelder nicht einfach an- und abgeschaltet werden, wie es in Saudi-Arabien geht.

So weit ist die geplante Gas-Opec noch nicht. Russland, Iran und Katar haben sich erst einmal auf die Grundlagen einer Zusammenarbeit geeinigt. Eine Kommission soll nun Details ausarbeiten. "Es gibt einen Bedarf für eine Gas-Opec und wir sind uns einig, dass wir eine Gas-Opec gründen werden", sagte Irans Ölminister Gholamhossein Nosari. Erste Projekte seien die Suche, die Raffination und der Verkauf von Gas. Weitere potenzielle Mitglieder einer Gas-Opec sind Algerien, Venezuela, Nigeria, Ägypten, Indonesien und Libyen. Allerdings gibt es anders als beim Öl noch keinen Weltgasmarkt. Vor allem Russland transportiert Erdgas ausschließlich per Pipeline und hat sich über jahrzehntelange Lieferverträge an die Konsumenten in Westeuropa gebunden.

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