Allzeit-Hoch
Kalifornien droht der Benzin-Kollaps

Der Benzinpreis in Kalifornien befindet sich mit 4,66 Dollar pro Gallone (3,79 Liter) zur Zeit auf Rekordniveau. An den Spotmärkten sind die Benzin-Verkäufe zeitweise gestoppt. Produktionsausfälle verknappen das Angebot.
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San FranciscoDerek Tracy ist einiges gewohnt, aber der Preissprung in der vergangenen Woche überrascht auch ihn. „Wir sehen in jedem Sommer höhere Preise“, stöhnt der Unternehmer aus San Francisco. „Aber so was habe ich noch nicht erlebt.“ Er ist beruflich auf seinen schweren Pick-up-Truck von Chevrolet angewiesen und will jetzt noch defensiver fahren. Etwas anderes bleibt ihm kaum. „Dann schaffe ich vielleicht 20 Meilen pro Gallone“, hofft er. Tritt er das Pedal sorglos durch, säuft der große Achtzylinder eine Gallone in nur 13 bis 15 Meilen.

So wie Tracy stöhnen heute viele Kalifornier über Benzinpreise auf Rekordniveau. Nach Berechnungen des größten US-Automobilclubs AAA hat die Durchschnittspreis am Sonntag mit 4,66 Dollar pro Gallone (3,79 Liter) ein Allzeit-Hoch erreicht und liegt jetzt 85 Cents über dem nationalen Durchschnitt. Damit hat der Westküstenstaat die bisherigen Spitzenreiter Alaska und Hawaii abgelöst. Einzelne Stationen in Los Angeles und San Francisco verlangen bis zu 5,90 Dollar pro Gallone.

Die Großhandelskette Costco schloss vorübergehend mehrere Großtankstellen, weil sie nicht zu den Rekordpreisen einkaufen wollte. Nach Produktionsausfällen in zwei großen Raffinerien spitzte sich die Lage derart zu, dass die Ölkonzerne Exxon Mobil und Valeo Energy die Lieferungen an ihre Kunden vorige Woche rationierten und die Verkäufe im Spot-Markt stoppten. Das war ein Schlag besonders für freie Tankstellen, die sich auf diesem Tages-Markt eindecken. Ohne eine schnelle Entspannung der Situation rechnen Analysten mit negativen Auswirkungen auf das einsetzende Weihnachtsgeschäft. Mehrausgaben für Benzin müssten vor allem Berufspendler dann in anderen Bereichen einsparen.

Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren wie Produktionsausfälle und Pipeline-Schließungen verschärfen derzeit die ohnehin angespannte Versorgungslage im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA. Dazu kommen strikte Umweltbestimmungen, die im Sommer den Verkauf eines wesentlich schadstoffärmeren Benzins als im Rest der USA verlangen. Versorgungsengpässe können so kaum durch Importe aus anderen Bundesstaaten kompensiert werden.

Ein Stromausfall in einer Exxon-Raffinerie in Torrance hatte vergangene Woche die Produktion für mehrere Tage lahm gelegt. Seit einem Feuer Anfang August fährt in Richmond eine der größten Raffinerien des Landes mit reduzierter Kapazität und eine Pipeline von Süd- nach Nordkalifornien musste wegen technischer Probleme stillgelegt werden.

„Es ist einfach zu viel auf einmal zusammengekommen. Es gibt eine Menge Panikkäufe am Markt“, so Patrick de Haan von der Benzinpreis-Vergleichsseite Gasbuddy.com. Er rechnet mit einer leichten Entspannung der Situation sobald die Raffinerien wieder mit voller Kapazität arbeiteten. Doch das könnte ein Trugschluss sein. Momentan findet die Umstellung auf "Winterbenzin" statt, das ab November verkauft werden muss. Der Anteil des "Sommerbenzins" sinkt also, die Vorräte werden abgebaut.

Andere Analysten sind deshalb weniger optimistisch: „Die Benzinpreise werden explodieren“, sagte Chris Faulkner, Energieexperte bei Breitling Oil and Gas gegenüber der Los Angeles Times. „Wenn wir in den nächsten drei Tagen keine Verbesserung der Situation sehen, könnte der Preis über die Marke von sechs Dollar pro Gallone gehen.“ Für Pendler und Unternehmer wie Tracy wären das schlechte Nachrichten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • @Hermosa

    "Die USA werden den Turnaround eher schaffen als Europa!
    Wetten?
    Grund: Wir in Europa sind in unserer Mentalität wesentlich starrer,unflexiler und ängstlicher um Dinge konsequent umzusetzten!"

    Also ich habe auch mal in den USA gelebt. Die Armut, die man dort ziemlich weit verbreitet sieht, hat mich oft erschuettert. Ich denke, die Leute sollten wirklich mal durch das Land fahren und sich genauer umsehen und auch mit dem "einfachen" Volk unterhalten. Ja selbst in guten Wohngegenden fehlt oft noch ein Wasseranschluss, eine Abwasserentsorgung und auch sollte man auf einen Notstromgenerator nicht verzichten.

    Viele US-Bekannte bezeichneten ihre eigene Heimat selbst als Entwicklungsland. Also der Unterschied zwischen arm und reich ist dort schon gewaltig. Es gibt auch Stadtviertel und andere Gegenden, wo man sich wegen der Sicherheit besser nicht blicken laesst. Da ist unsere Mentalitaet schon auch mit Vorteilen gesegnet.

  • wenn die USA den Turnaround schneller schaffen,
    dann weil die USA ihre Wirtschaft mittels "Nachfrage auf Pump" und auf "Inflation komm raus" ordentlich pushen und parallel ihre Schulden über Inflation abbauen.

    ... während es in Deutschland und Europa heist: "wir müssen leider den Gürtel enger schnallen" ...

  • Eine "Lanze brechen" für die USA!

    Die USA werden den Turnaround eher schaffen als Europa!

    Wetten?

    Grund: Wir in Europa sind in unserer Mentalität wesentlich starrer,unflexiler und ängstlicher um Dinge konsequent umzusetzten!

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