Alternative zu Hartwährungen
„Spekulation treibt den Goldpreis“

Das Handelsblatt spricht mit Markus Bachmann, Fondsmanager und Mitbegründer von Craton Capital über Gold und die Entwicklung des Edelmetalls in den kommenden zwölf Monaten.

Handelsblatt: Der Goldpreis ist kürzlich auf den höchsten Stand seit 25 Jahren geklettert. Suchen die Anleger wie früher nach einem „sicheren Hafen“, um Risiken einer höheren Inflation abzufedern? Oder sind andere Gründe wichtiger?

Markus Bachmann: Inflationsängste spielen bei dem gegenwärtigen Anstieg des Goldpreises eine eher untergeordnete Rolle. Wichtiger ist, dass Gold als Alternative zu Hartwährungen wie dem Dollar, Euro oder Yen an Attraktivität gewonnen hat. Gleichzeitig dient es als Alternative zu anderen Papierwerten wie Aktien oder Bonds und ist somit ein ganz eigenes Mittel der Kapitalsicherung. Zu den fundamentalen Gründen des Preisaufschwungs zählen die stagnierende bis sinkende Goldproduktion, die gestiegene physische Nachfrage sowie die von einigen Zentralbanken erwogenen Goldkäufe. Hilfreich ist aber auch die hohe Liquidität in den Finanzmärkten, die nach alternativen Anlagezielen sucht.

Der Goldpreis hat in recht kurzer Zeit viel Boden gewonnen. Wie sehen Sie die Entwicklung über die kommenden zwölf Monate?

Wir erwarten für die nächsten zwölf Monate zunächst eine Konsolidierung nahe dem gegenwärtigen Niveau und dann mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent weitere Zugewinne.

Der rasche Anstieg deutet auf stärkere Spekulationen im Markt hin. Wie groß ist ihr Anteil an dem jüngsten Preisanstieg?

Der Anstieg des Goldpreises seit Mitte November wird in der Tat stark von Spekulationen getrieben, Wir schätzen, dass der jüngste Anstieg zu 90 Prozent darauf beruht.

Was könnte zu einem stärkeren Preisrückschlag führen, und wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario?

Die Wahrscheinlichkeit eines Rückschlags des Goldpreises ist wegen der starken Spekulation sehr wahrscheinlich. Nach unserer Einschätzung war die jüngste Korrektur von 540 Dollar auf 500 Dollar notwendig und nichts Außergewöhnliches. Wir sehen künftig ähnlichen Korrekturen gelassen entgegen, weil die fundamentalen Gründe für einen Goldpreisanstieg weiterhin gültig sind. Von den Anlegern sollten derartige Korrekturen als eine Kaufgelegenheit genutzt werden.

Die Aktien der großen Goldförderer gelten inzwischen aber als teuer. Ist ein Engagement auf dem gegenwärtigen Niveau nicht sehr gewagt?

Solange der Preis für Gold weiter ansteigt, werden die Aktien der großen Goldförderer Käufer finden – unabhängig von ihrem Preis. Denn wichtiger als die aktuelle Bewertung der Aktien ist diesen Investoren die Aussicht auf einen weiteren Anstieg des Goldpreises. Wir sehen vor allem in den Aktien der kleinen und mittleren Goldförderer viel Potenzial. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Werte noch eine Zeit lang im Schatten der stark kapitalisierten Papiere mit hoher Liquidität und Handelbarkeit stehen werden.

Die Fragen stellte Wolfgang Drechsler.

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