Alternativen in der Krise
Fremdwährungen sind Notanker für Investoren

Die Schuldenkrise treibt Investoren zur Suche nach einer Alternative zum heimischen Geld. Yen und Franken sind besonders beliebt. Doch Experten warnen: Der Griff zur fremden Währung birgt auch Risiken.

FrankfurtDie Schuldenkrise in Europa hat den Euro zu Wochenbeginn unter Druck gebracht, erst gestern zeigte er leichte Erholungstendenzen. Als die Nachricht über eine mögliche Ansteckung Italiens in den Handelssälen der Finanzhäuser die Runde machte, hatte die Gemeinschaftswährung binnen kürzester Zeit gegenüber den meisten anderen Währungen an Wert verloren. Der Schock war groß, denn er hatte alle überrascht. "Am Markt sorgte man sich um Spanien, Italien hatte niemand auf dem Schirm", sagt ein Devisenhändler einer Großbank.

Zuletzt waren viele Marktteilnehmer übergewichtet in Euro, erklärt der Händler. Die dann plötzlich einsetzende Verkaufswelle wurde durch zwei Effekte zusätzlich verstärkt: Zum einen hatten sich viele Händler vor zu hohen Verlusten durch Stopp-Kurse abgesichert. Als dieses Niveau unterschritten wurde, verkauften sie den Euro. Andere Marktteilnehmer verlassen sich beim Handel auf Computermodelle. Bei diesem sogenannten Algotrading registrieren die Computer besonders starke Kursbewegungen und bauen automatisch Positionen auf, die vom Trend profitieren.

Die größten Gewinner der Unruhen auf dem Devisenmarkt waren einmal mehr der Japanische Yen und der Schweizer Franken. "Das sind die traditionellen Fluchtwährungen", sagt der Händler. In der Folge fiel der Euro gegenüber der eidgenössischen Währung am Dienstag auf ein Rekordtief von 1,15 Franken, erholte sich am Mittwoch leicht auf 1,16 Franken. "Die Schweizer Währung ist derzeit überbewertet. Sollte sich die Krise entspannen, könnte der Euro auf 1,25 Franken steigen, verschärft sie sich, sind wir schnell bei 1,10 Franken", sagt Thomas Steinemann, Chefstratege bei der schweizerischen Bank Vontobel. Allerdings könnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) versuchen, die heimische Währung künstlich zu schwächen. Während der Aufkauf von Euro im vergangenen Jahr wenig erfolgreich war und daher in naher Zukunft unwahrscheinlich ist, könnte die SNB andere, wertbeständigere Anlagen erwerben wie Aktien, Gold oder Immobilien, um die Geldmenge zu erhöhen und so einer Aufwertung entgegenzuwirken, sagt Steinemann.

Eine allgemeine Euro-Schwäche sehen Analysten dagegen nicht. "Sieht man vom Schweizer Franken ab, hält sich die Währung erstaunlich gut", sagt Steinemann. Gegenüber dem US-Dollar und dem britischen Pfund konnte er in den letzten sechs Monaten etwa sechs Prozent zulegen. Auch der Hongkong-Dollar, und die klassischen Rohstoffwährungen südafrikanischer Rand und der kanadische Dollar hatten das Nachsehen. Die kurzzeitigen Verluste vom Wochenanfang grenzte der Euro gestern bereits wieder ein.

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