Analyse
Der Rohstoff-Markt findet den Boden

Noch sind sich die Auguren nicht einig, ob die Rohstoffmärkte das Schlimmste überstanden haben oder ob noch weitere Verluste drohen. Es spricht inzwischen aber vieles dafür, dass die Preise einen Boden gefunden haben.
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Weltweit sind die Bergbaugesellschaften durch den Einbruch der Rohstoffpreise seit vergangenem Sommer in die Bredouille geraten. Viele der Minen arbeiteten nicht mehr profitabel. Wegen der zuvor boomenden Märkte hatten sich die Konzerne mit Expansionsvorhaben zum Teil aber hoch verschuldet. Diese Unternehmen legen daher weltweit Projekte auf Eis, kürzen die Produktion der Minen oder setzen sie gleich komplett aus, um ihre Kapazitäten der schwächeren Nachfrage anzupassen. Mit dieser Verknappung des Angebots stemmen sich die Unternehmen gegen einen weiteren Aufbau der Rohstofflager und ziehen einen ersten Boden unter die Preise.

Ganz ähnlich geht die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) vor. Das Ölkartell, das für über vierzig Prozent der Weltölproduktion steht, hat seine Förderung seit September vergangenen Jahres um mehr als vier Millionen Barrel am Tag gedrosselt (ein Barrel entspricht 159 Litern Öl). Glaubt man den Äußerungen von Opec-Mitgliedern, sind weitere Kürzungen der Ölförderung zu erwarten. Damit wurde auch am Ölmarkt der Preisrutsch gestoppt. Das für Europa maßgebliche Brentöl hat sich bei rund 40 Dollar je Barrel eingependelt.

Preisstützend wirken zudem bei den Industrierohstoffen die milliardenschweren Konjunkturprogramme. Die Hoffnungen an den Rohstoffmärkten ruhen dabei auf den Stimulierungsmaßnahmen der Großverbraucherländer wie China und den USA. Dies hat zuletzt die Entwicklung am Kupfermarkt gezeigt. Kupfer, das meistgehandelte Industriemetall, wird unter anderem in der Bau- und Elektroindustrie benötigt. Allein seit Jahresende hat der Preis wieder über 20 Prozent zugelegt.

Die konjunkturellen Hoffnungen und Sorgen schlagen sich auch in den Preisen der Edelmetalle nieder - allerdings völlig anders als bei den Industrierohstoffen. Schon zum Jahreswechsel hat ein Run auf Gold eingesetzt. Die Investoren suchen angesichts der andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise einen "sicheren Hafen". Gekauft wird Gold sowohl physisch als auch über Finanzinstrumente wie börsengehandelte Fonds (ETF), die mit Gold unterlegt sind. Anders als die Industrierohstoffe hat daher Gold nicht nur einen Boden gefunden, sondern liegt nur noch knapp 70 Dollar unter dem letztjährigen Preisrekord von gut 1 030 Dollar.

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