Analysten erwarten erst Mitte 2006 Rückschläge – Pessimisten warnen vor Einbruch bei Kupfer
Preise der Industriemetalle streben weiter nach oben

Die Investoren an den Terminmärkten treten angesichts der jüngst erreichten Rekordpreise bei mehreren Metallen zurzeit kürzer und nehmen Gewinne mit. Doch mindestens bis Frühjahr 2006 dürfte der Aufwärtstrend der Metallpreise nach Einschätzung vieler Analysten anhalten.

LONDON. Zu den Optimisten gehört Ingrid Sternby von Barclays Capital. Eine angespannte Versorgungslage, historisch extrem niedrige Vorräte und nach wie vor positive Nachfrageindikatoren würden den Aufwärtstrend bei den Preisen bis auf weiteres stützen. Anleger sollten daher Rückschläge zum Einstieg nutzen, rät Sternby. Beeindruckt ist die Analystin von dem anhaltend robusten Wachstum in China. Die dortige Wirtschaft ist nach jüngsten Angaben aus Peking im dritten Quartal erneut um mehr als neun Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2004 gewachsen.

Peter Richardson von der Deutschen Bank in London begründet seine Zuversicht mit tief greifenden strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft. Der Aufschwung Chinas, Brasiliens, Russlands, und Indiens zu bedeutenden Wirtschaftsmächten werde noch auf Jahre die Rohstoffpreise treiben. 2005 dürften diese Länder etwa 80 Prozent zum Wachstum der weltweiten Industrieproduktion beitragen. Stevenson sieht einen anhaltend festen Kupferpreis im Bereich von 4 000 Dollar je Tonne bis Mitte 2006. Der Preis ist seit Jahresbeginn um etwa ein Viertel gestiegen und liegt aktuell bei 4 060 Dollar. Wesentlich optimistischer ist Richardson für Zink, dessen Preis seit Anfang Januar um 50 Prozent auf 1 500 Dollar zugelegt hat. Mitte nächsten Jahres erwartet der Analyst einen Zinkpreis von 1 675 Dollar, auch Aluminium werde sein jüngst erreichtes Achtjahreshoch von 2 000 Dollar je Tonne überschreiten.

Die Londoner Economist Intelligence Unit (EIU) erwartet hingegen, dass die Preise für nahezu sämtliche Industriemetalle im kommenden Jahr aufgrund einer schwächeren Weltwirtschaft sinken werden. Ein zunehmendes Angebot werde den Abwärtstrend 2007 noch beschleunigen. Der EIU-Metallpreisindex werde sich 2006 um fast zehn Prozent zurückbilden und 2007 um weitere 14 Prozent. Kupfer und Blei würden davon am härtesten betroffen sein. Den Kupferpreis siedeln die EIU-Experten für 2006 gar bei weniger als 3 000 Dollar je Tonne an. Zink sei das dagegen das einzige Industriemetall, das sich zumindest noch bis 2007 gut behaupten werde.

Von derart pessimistischen Prognosen lassen sich die Haussespekulanten an der Londoner Metallbörse (LME) einstweilen aber noch nicht beeindrucken. Sie schauen vielmehr auf die extrem knappen Kupfervorräte, die in den vergangenen Jahren um 90 Prozent schrumpften. Daher reichte zur Wochenmitte die Nachricht über eine Arbeitsniederlegung in einem Hüttenbetrieb der Grupo Mexiko aus, um nervöse Deckungskäufe auszulösen.

Ein Schnäppchen wittert eine noch kleine Minderheit von Spekulanten neuerdings bei Nickel. Der Preis war seit Juni unter der Last eines kräftigen Einbruchs der weltweiten Stahlproduktion von über 18 000 Dollar auf vorübergehend 10 500 Dollar je Tonne abgesackt. Kein Geringerer als der Bergbaukonzern Inco, zweitgrößter Produzent des Legierungsmetalls, glaubt, dass der Preisverfall jetzt weit genug gegangen ist. Die Welt-Stahlindustrie könnte nach dem rabiaten Abbau ihrer Bestände ihre Produktion von rostbeständigem Stahl „noch vor Jahresschluss oder Anfang 2006“ wieder hochfahren- und damit auch wieder mehr Nickel nachfragen. „Eine Reihe von Spekulanten hat das noch nicht erkannt“, heißt es von Inco. Vicky Binns von Merrill Lynch warnt Anleger aber vor einem allzu beherzten Einstieg: „Nickel ist einer der volatilsten Märkte.“

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