Analysten warnen vor Überangebot
Baumwollmarkt droht heiß zu laufen

Die Preise für den Texilrohstoff Baumwolle sind in den vergangenen Tagen an der New Yorker Terminbörse NYBOT auf den höchsten Stand seit etwa zehn Monaten in die Höhe geschossen. Begründet wird der kräftige Preissprung von 42 Cent seit Dezember 2004 auf derzeit mehr als 57 Cent je Bushel vor allem mit den derzeit die Rohstoffmärkte als Anlageklasse insgesamt bewegenden spekulativen Kräften.

HB FRANKFURT/M. „Die Anleger rechnen auf Sicht mit Verknappungserscheinungen an den Rohstoffmärkten“, sagt Allen A. Terhaar, geschäftsführender Direktor der Branchenvereinigung Cotton Council International.

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt äußert Terhaar allerdings Zweifel am Bestand der jüngsten Preishausse an den Baumwollmärkten. Die Fundamentaldaten deuten nach Angaben des Experten zumindest für die laufende Saison weiterhin auf eine ausreichende Versorgungslage hin. So dürfte die weltweite Baumwollproduktion in der Saison 2004/2005 (August/Juli) immerhin auf 119,2 Mill. Ballen im Gewicht von jeweils 480 lb erreichen. Das globale Gesamtangebot werde in der laufenden Saison wegen der Ende der vergangenen Saison bei 35,6 Mill. Ballen liegenden weltweiten Baumwollvorräte insgesamt also auf 154,8 Mill. Ballen steigen.

Dem steht auf der anderen Seite nach Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) jedoch eine weltweite Nachfrage von lediglich 107,1 Mill. Ballen gegenüber, so dass die Bestände zum Ende der laufenden Erntesaison weiter auf 47,8 Mio. Ballen steigen werden. Vor diesem Hintergrund kommt der starke Anstieg der Baumwollpreise für so manchen Rohstoff-Analysten überraschend. „Ich denke, wir befinden uns jetzt auch am oberen Ende der Rally“, sagt Jobe Moss vom texanischen Brokerhaus MCM. Bei der Suche nach den Gründen für die Preissteigerungen werden Beobachter beim so genannten „China-Faktor“ fündig. Wenn Rohstoffpreise steigen, dann wird das in diesen bewegten Zeiten meist mit der stark steigenden Nachfrage der boomenden chinesischen Volkswirtschaft begründet.

Auch an den Baumwollmärkten wirkte dieser China-Faktor zuletzt. „Mit einem Produktionsanteil von 25 Prozent und einem Verarbeitungsanteil von 35 Prozent ist China weltweit die Nummer eins in der globalen Baumwollindustrie“, sagt Terhaar. Das für Baumwolle positive Klima an der New Yorker Terminbörse wurde daher auch durch Prognosen einer in der kommenden Saison deutlich geringeren chinesischen Baumwollernte in Höhe von 25 Mill. Ballen (gegenüber 29 Mill. Ballen in 2004/2005) untermauert. Diese aus Peking kommende Meldung inspirierte die Spekulation an der Terminbörse zu weiteren Hausse-Engagements in Baumwoll-Terminkontrakten.

Analysten weisen in diesem Kontext auch darauf hin, dass sich das hohe globale Überangebot in den nächsten Jahren weiter abbauen werde. Das USDA hat auch wegen des geringeren chinesischen Produktionsanteils seine Prognose über die im kommenden Marketingjahr 2005/2006 zu erwartende weltweite Baumwollproduktion jetzt auf nur noch 103,0 Mill. Ballen nach unten geschraubt.

Die Popularität von Baumwolle als Textilrohstoff habe auch wegen neuer technologischer Verfahren bei der Gewinnung und Verarbeitung an Bedeutung gewonnen. Positiv auf den Baumwollverbrauch wirke sich zudem der starke Anstieg der Rohölpreise aus, der synthetische Fasern verteuere.

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