Angebot ungeklärt
Unsicherheit am Ölmarkt

Während die Internationale Energieagentur (IEA) von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) eine Erhöhung der Förderungsrate fordert, schalten die betroffenen Nationen auf stur. Die Gefahr einer Verknappung und die damit verbundene Preissteigerung beunruhigt die Märkte dabei noch zusätzlich zur aktuellen Finanzkrise.

rp/Reuters/DJ DÜSSELDORF/LONDON. Die Rohölpreise haben weiter nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) des europäischen Brentöls kostete zuletzt weniger als 70 Dollar, so wenig wie zuletzt vor rund fünf Wochen. Der Ölpreis liegt damit auch wieder deutlich unter dem Rekordhoch von knapp 79 Dollar. Gedrückt werden die Rohölnotierungen vor allem durch Sorgen über das Wirtschaftswachstum in den USA. Genährt werden die Befürchtungen durch die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten und die Unsicherheit über das tatsächliche Ausmaß der Hypothekenkrise in den USA (Subprime-Krise).

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) ist es aber noch zu früh, um die Auswirkungen der aktuellen Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten auf die Lage am Rohölmarkt abzuschätzen. „Aber wir schauen uns dies ganz genau an“, sagte Lawrence Eagles, Leiter der Öl-Abteilung der IEA.

Doch selbst wenn sich die Krise auf das US-Wachstum auswirken sollte, sagte Eagles gegenüber Bloomberg-News, „bleibt die Nachfrage dort immer noch hoch“. Die IEA ist eine unabhängige Agentur, die die Energiepolitik der dreißig Industriestaaten koordiniert, die sich zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossen haben.

Gleichzeitig hat die Pariser Agentur allerdings die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erneut zu einer Ausweitung ihrer Erdölförderung aufgefordert. Dies sei notwendig, um der wachsenden Nachfrage zu begegnen. Zudem erwartet die Energieagentur einen Rückgang der Rohölvorräte. Das Ölkartell müsse daher bereits bei seinem Treffen am 11. September in Wien handeln und die Förderhähne weiter öffnen, heißt es in dem am Freitag vorgelegten Monatsbericht. Allerdings hat sich die Opec zuletzt derartigen Forderungen wiederholt widersetzt und erklärt, die Versorgung der Märkte sei ausreichend. Zum Wochenende reagierte die Opec nicht auf die IEA-Forderung.

Mit Blick auf den kommenden Winter geht die IEA von einer Angebotslücke aus. Sollte sich die Opec bei ihrer Konferenz erneut gegen eine Produktionserhöhung entscheiden, dann würde sich diese Lücke sogar noch vergrößern, mahnte die Agentur an. Die angesichts der Nachfrage „unzureichende Ölversorgung“ stelle ein weiteres Risiko für das Wachstum der Weltwirtschaft dar, zusätzlich zu den Volatilitäten an den globalen Kredit- und Aktienmärkten, die von Sorgen um eine Ausbreitung der US-Hypothekenkrise geschürt werden, ergänzte die IEA. „Das Letzte, was die globale Wirtschaft in dieser Situation braucht, sind höhere Ölpreise.“

Für das kommende Jahr bekräftigte die IEA ihre Bedarfsprognose; sie geht von einem Anstieg der Ölnachfrage um durchschnittlich 2,2 Mill. Barrel am Tag auf insgesamt 88,2 Mill. Barrel aus. Die Hauptkäufer seien dabei China und die Länder des Nahen Ostens. Für das laufende Jahr sagt die Agentur ein Wachstum um 1,5 Mill. Barrel täglich auf 86,1 Mill. Barrel voraus. Einige Analysten nennen die Prognosen angesichts einer möglichen Konjunkturabschwächung aber recht hoch.

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