Angebotsdefizit
Platin knapper als erwartet

Das Edelmetall Platin stagniert auf hohem Niveau: Hatten Insider zunächst angenommen, dass das Angebot die Nachfrage allmählich übersteigt, zeigen die realen Zahlen nun, dass vielmehr ein Angebotsdefizit vorliegt. Allerdings waren einige ausschlaggebende Faktoren auch nicht kalkulierbar.

KAPSTADT. Entgegen den jüngsten Prognosen dürfte der Platinmarkt in diesem Jahr wieder ein größeres Angebotsdefizit aufweisen. Der Preis des Edelmetalls wird daher wohl auch mittelfristig auf hohem Niveau verharren. Experten korrigieren bereits ihre Schätzungen.

Die unerwarteten Produktionsschwierigkeiten beim südafrikanischen Marktführer Anglo Platinum (Angloplat) und Verarbeitungsprobleme beim weltweit drittgrößten Förderer Lonmin werden nach Ansicht des Kapstädter Platinspezialisten Heye Daun von der Old Mutual Investment Group in diesem Jahr für ein Defizit von bis zu 200 000 Unzen Platin sorgen (s. Fünf Fragen an). Bei einem Marktvolumen von rund sieben Mill. Unzen wäre dies eine beträchtliche Lücke von fast drei Prozent.

Streiks in südafrikanischen Minen und die ungewöhnlich hohe Zahl an Unfällen in der Rustenburger Mine von Marktführer Angloplat lassen die Produktion schrumpfen. In der Rustenburg Mine waren allein im Mai und Juni zwölf Bergarbeiter unter Tage ums Leben gekommen; die weltweit zweitgrößte Platinmine wurde daher zeitweilig geschlossen. Die Serie an Todesfällen kostete zudem Konzernchef Ralph Havenstein Ende Juli den Job. Statt der eigentlich geplanten 2,9 Mill. Unzen wird Angloplat nach eigenen Angaben nun nur noch 2,6 bis 2,75 Mill. Unzen fördern. Bei Lonmin sind anhaltende Probleme in einer der Platinschmelzen dafür verantwortlich, dass das in London notierte Unternehmen um rund 100 000 Unzen hinter seinem ursprünglichen Produktionsziel von einer Mill. Unzen für 2007 zurückbleiben wird.

Das bekannte Edelmetallhandelshaus Johnson Matthey hatte noch im Mai einen leichten Überschuss für den Platinmarkt prognostiziert und diese Vorhersage seither nicht korrigiert. „Vorausgesetzt, dass die südafrikanischen Produzenten ihre Förderziele erreichen und die Lücke hinsichtlich der russischen Verschiffungen gelöst werden kann, erwarten wir für den Platinmarkt für 2007 einen leichten Überschuss, allerdings mit gewissen Engpässen in der ersten Jahreshälfte“, hieß es bei Johnson Matthey.

Die Rohstoffabteilung der UBS in London hat ihre Prognose hingegen bereits geändert. „Die Veränderungen bei den Produktionsvorhersagen für 2007 werden am Platinmarkt nun wohl doch aufs ganze Jahr hinweg gesehen für ein leichtes Defizit sorgen“, glauben die UBS-Experten. Sollten die großen Produzenten ihre Probleme in den Griff bekommen, sei aber in der zweiten Jahreshälfte ein leichter Platinüberschuss zu erwarten. Zuvor hatten die Analysten ein höheres Überangebot prognostiziert.

Auch Daun sieht Anzeichen, dass die Nachfrage nach Platin auch 2007 zum fünften Mal in Folge das Angebot übersteigt. Vor allem die gerade von Anglo Platinum vorgelegten Quartalszahlen, die einen Produktionsrückgang von acht Prozent ausweisen und für 2008 einen ähnlich hohen Rückgang vorsehen, seien ein deutliches Indiz dafür, dass sich die Lage nachhaltig verändert habe.

Die Entwicklung am Platinmarkt hängt in der Regel direkt von dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab. Zudem sind relativ wenige Spekulanten im Markt. Ein Grund dafür ist, dass das Angebot zu fast 80 Prozent aus Südafrika stammt. Hier wird es von einigen wenigen Unternehmen kontrolliert, die Platin auf sehr kapitalintensive Weise fördern.

Zum anderen ist die Nachfrage nach Platin quasi gesetzlich garantiert, weil die Autohersteller im Westen strikte Abgasnormen befolgen müssen. Platin und Palladium werden für die Herstellung von Autokatalysatoren gebraucht. Platin kommt dabei zugute, dass die gesetzlichen Auflagen immer strikter werden, was eine höhere Nachfrage gewährleistet. Zudem sind die operativen Kosten, aber auch die Kapitalkosten der Förderer am Kap in den letzten Jahren um fast 20 Prozent pro Jahr gestiegen. Daun ist davon überzeugt, dass dieser Trend den Druck auf die Preise weiter erhöhen und ein wichtiger Faktor dafür sein wird, dass Platin auch künftig deutlich über seinem historischen Durchschnitt liegen wird.

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