Angriff auf Ölstation
Anschlag in Nigeria stoppt Ölpreis-Talfahrt

Knapp zwei Wochen sind die Ölpreise stetig gesunken. Von 73 Dollar fiel der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI bis auf knapp 59 Dollar zurück. Erst ein neuerlicher Angriff auf Ölanlagen in Nigeria, bei dem auch Öltanker in Brand geraten sein sollen, hat den Sturzflug zumindest vorübergehend gestoppt.

HB LAGOS. Im größten afrikanischen Ölförderstaat Nigeria haben Rebellen laut Medienberichten eine Ölverladestation in Lagos angegriffen und teilweise zerstört. Nach übereinstimmenden Meldungen vom Montag handelt es sich bei den Rebellen um Mitglieder der Bewegung für die Befreiung des Nigerdeltas (MEND). In einer vom Sprecher der Befreiungsbewegung für das Nigerdelta (MEND) verbreiteten E-Mail hieß es, das Depot der Hafenanlage "Atlas Cove Jetty" und mehrere Tanker stünden seit dem späten Sonntagabend in Flammen. Der Angriff kommt nur wenige Tage, nachdem der inhaftierte Führer der MEND ein Amnestieangebot der Regierung akzeptierte.

Wie die Rebellenorganisation MEND weiter mitteilte, handelt es sich bei der Anlage um eine wichtige Verladestation von Benzin und Diesel aus nigerianischen Raffinerien. Sprecher der Polizei in Lagos und des staatlichen Ölunternehmens NNPC sagten, dass die Meldungen derzeit überprüft werden.

An den Rohstoffmärkten sind die Ölpreise nach den Presseberichten deutlich gestiegen. Der Preis für US-Rohöl unterbrach die Talfahrt der vergangenen Handelstage und sprang über die Marke von 60 Dollar. Im Nachmittagshandel stand der Preis bei 60,47 Dollar, nachdem er zuvor noch zeitweise auf ein Tagestief bei 58,88 Dollar abrutschte.

Die Anschläge von MEND haben die Ölproduktion Nigerias seit 2006 um etwa 20 Prozent gedrosselt und die Wirtschaft des westafrikanischen Landes schwer geschädigt. Mit dem Angriff nahe der Millionenmetropole Lagos, die zugleich das wirtschaftliche Zentrum Nigeias ist, haben die Attacken der Rebellen aus dem Delta eine neue Dimension erreicht. Bisher griffen die MEND-Rebellen überwiegend Ölförderanlagen und Pipelines im Delta selbst an und entführten zahlreiche ausländische Mitarbeiter von Ölfirmen.

Die Bewegung fordert eine Beteiligung der Bevölkerung des Deltas an den Gewinnen aus der Öl- und Gasförderung. Trotz des Rohstoffreichtums des Nigerdeltas sind die meisten Bewohner der Region bitterarm. Menschenrechts- und Umweltorganisationen haben zudem mehrfach darauf hingewiesen, dass die Ölförderfirmen die Umwelt des Deltas zerstören und den Fischern und Bauern so die Existenzgrundlage entziehen.

In den vergangenen Wochen hat MEND die Angriffsserie trotz des Amnestieangebots der Regierung fortgesetzt. Der neue Angriff dürfte ein Signal dafür sein, dass die Rebellen vorerst nicht die Absicht haben, die Waffen niederzulegen. Im Widerspruch dazu hatte Rebellenführer Henry Okah seine Bereitschaft erklärt, die Amnestie der Regierung anzunehmen. In vorangegangenen Stellungnahmen haben die Rebellen signalisiert, dass sie selbst die Bedingungen festlegen wollen, die zu einer Waffenruhe führen.

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