Angst vor Inflation Schuldenkrise treibt Anleger zum Gold

Das Edelmetall ist so teuer wie nie – und auch der kleine Bruder Silber stößt auf wachsendes Interesse bei den Anlegern. Denn bei Investoren geht die Angst vor einer Inflation um und die Sorge, dass etwa Staatsanleihen ausfallen könnten.
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Goldbarren: Investoren greifen bei Edelmetallen zu. Quelle: dpa

Goldbarren: Investoren greifen bei Edelmetallen zu.

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FRANKFURT. Das Frankfurter Münzkabinett strotzt vor Tradition. Jahrzehntelang war es der Goldhändler der Dresdner Bank. Seit 2002 ist es unabhängig und verkauft Gold in allen Formen. Doch Kunden wie den Frührentner Ralf Z. hat das Münzkabinett erst seit dem jüngsten Goldrausch der vergangenen Monate. Fast 100 000 Euro hat der Anleger in Gold investiert, erzählt er. Das Geld steckte vorher in seiner Lebensversicherung. Doch da war "alles in Anleihen angelegt, und wer weiß, ob die je zurückgezahlt werden", sagt Ralf Z. Also kündigte er die Police und trug das Geld zum Münzkabinett.

Mit seiner Hauruck-Aktion ist Ralf Z. ein Extremfall. Doch brisant ist die Lage allemal. Gold-Panikkäufe gab es in der heißen Phase der Griechenlandkrise im Mai und bei der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Jetzt treiben die Schuldenprobleme von Ländern wie Portugal oder Irland die Märkte um. Und die Notenbanken gießen nach Ansicht ihrer Kritiker Öl ins Feuer. "Die Europäische Zentralbank kauft nun auch portugiesische Anleihen, die US-Notenbank wird mit dem Anleihekauf auch wieder starten", sagt James Turk, Gründer von Goldmoney in London. Sein Fazit: "Das bedeutet Inflation, und damit gibt es keine sichere Währung mehr."

Immer mehr Händler

So hält der Ansturm auf sichere Anlagen an. Am Mittwoch erreichte der Goldpreis mit knapp unter 1 300 Dollar je Unze einen Rekord. "Viele Kunden sagen uns, die Krise ist noch nicht vorbei", berichtet Goldhändler Karlheinz Jockel von Pro Aurum in Bad Homburg. "Es kommen immer neue Käufer", ergänzt Pavol Jurecko vom Münzkabinett.

Anlaufstellen haben Interessierte mehr als genug. In manchen Großstädten schießen Händler wie Pilze aus dem Boden "Allein in Berlin haben wir jetzt geschätzte 50 Geschäfte", sagt Jörg Schuster vom Handelshaus Taurus Investors. "Das sind frühere Wechselstuben und Altgoldhändler, die auf den Zug aufspringen." Auch im Internet bieten immer mehr Online-Adressen ihre Dienste an.

Wer sein Gold mit nach Hause nehmen möchte, greift meist nach klassischen Anlagemünzen: der südafrikanische Krügerrand, kanadische Maple Leaf oder österreichischen Philharmoniker. Über den Tresen gehen fast immer die Varianten in einer Unze. Die handlichen Stücke mit rund 31 Gramm Gewicht haben nur einen geringen Aufpreis auf den reinen Metallwert. "Die Leute wollen möglichst viel Gold für ihr Geld", sagt Jockel.

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1 Kommentar zu "Angst vor Inflation: Schuldenkrise treibt Anleger zum Gold"

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  • ist ja auch kein Wunder, daß die Leute immer mehr Gold und Silber kaufen, wenn die Staaten einfach immer mehr Papiergeld drucken und das dann immer weniger wert wird...

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