Angst vor Wachstumsdelle
Euro markiert neues Allzeithoch

Weiter auf Rekordkurs bleibt der Euro am Freitagmorgen. Die Gemeinschaftswährung erreichte bei 1,4122 Dollar ein neues Allzeit-Hoch. Die überraschend aggressive Zinssenkung der US-Notenbank sei immer noch nicht in den Devisenkursen voll eingepreist, hieß es am Devisenmarkt. Und Volkswirte rechnen mit einem weiterem Kursanstieg

HB FRANKFURT. Im frühen Handel kletterte die Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,4 121 Dollar, rutschte im weiteren Verlauf aber wieder auf 1,4 101 Dollar ab. Der Euro hatte damit den höchsten Wert seit der Einführung im Jahr 1999 markiert. "Hinter den Dollar-Verlusten steckt eine beängstigende Dynamik", sagte Devisenexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Der Höhenflug des Euro dürfte bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aber "noch keine allzu großen Sorgen auslösen". Derzeit würde das robuste Wachstum in der Eurozone und der Preisdruck gegen eine Zinssenkung der EZB sprechen.

Angefacht von der Erwartung eines schwächeren Wachstums und niedrigerer Zinsen in den USA war der Kurs des Euros am Donnerstag erstmals über die Marke von 1,40 Dollar geklettert. Volkswirte befürchten, dass die Euro-Stärke und die Auswirkungen der vom Immobiliensektor ausgehenden Krise des Finanzsektors das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum empfindlich beeinträchtigen.

US-Notenbankchef Ben Bernanke nährte diese Sorgen bei einem Auftritt vor dem Kongress noch. Der Konjunkturausblick werde wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten immer unsicherer. Die US-Zentralbank werde die Situation genau beobachten und notfalls handeln, um Preisstabilität und Wachstum zu fördern. Damit deutete Bernanke die Bereitschaft an, der kräftigen Zinssenkung vom Dienstag weitere Schritte folgen zu lassen.

Die Investmentbank Lehman Brothers senkte ihre Wachstumsprognose für den Euro-Raum im kommenden Jahr um einen halben Punkt auf nur noch 1,8 Prozent. Die Volkswirte begründeten dies damit, dass der teure Euro die Exportwirtschaft schwäche. Die Probleme vieler Banken bei der Refinanzierung würden Kredite für die Wirtschaft teurer und knapper werden lassen. Käme die Europäische Zentralbank, deren bisherige Wachstumsprognose von 2,3 Prozent der alten Lehman-Prognose etwa entsprach, zu einem ähnlichen Ergebnis, so würde dies den Verzicht auf eine Zinserhöhung oder gar eine Zinssenkung nahelegen. „Die EZB muss dringend handeln, um die Krise des Finanzsystems zu beheben und die Aufwertung des Euros zu stoppen“, forderte die Europa-Chefvolkswirtin der französischen Großbank Société Générale, Véronique Riches-Flores.

Nachdem der Euro schneller und stärker gestiegen war, als die meisten Bankvolkswirte erwarteten, passen nun viele ihre Prognosen nach oben an. Der Währungsstratege von Bear Stearns, Steven Barrow, sagt einen Anstieg auf 1,50 Dollar in den nächsten Monaten voraus. Auch die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass der Dollar noch schwächer wird. „Die Aussicht auf noch niedrigere Zinsen in den USA dürfte den Dollar weiter drücken“, schreiben die Experten der Investmentbank in einem Investorenbrief.

Auch gegenüber fast allen anderen wichtigen Währungen verlor der Dollar an Boden, seit die US–Notenbank Federal Reserve am Dienstag ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent gesenkt hat. Gegenüber einem Index der sechs wichtigsten Währungen sank er am Donnerstag auf seinen niedrigsten Stand seit 15 Jahren.

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