Anhaltende Inflationsgefahr
Pfund erleidet Schwächeanfall

Die britische Währung ist auf Talfahrt, und ein Ende ist vorläufig nicht in Sicht. Belastet von Rezessionssorgen und der Aussicht auf niedrigere Zinsen fiel das Pfund im Vergleich zum Dollar auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren. Im August hat die britische Währung bislang 7,5 Prozent eingebüßt.

LONDON. Das ist der größte Monatsverlust seit der amerikanische Finanzier George Soros im Oktober 1992 das Pfund mit einem Spekulantenangriff aus dem Europäischen Währungssystem drängte. Damals sackte das Pfund zum Dollar innerhalb eines Monats um 12,5 Prozent ab.

Auch gestern hielt der Wertverfall der britischen Währung gegenüber dem Dollar an. Zum ersten Mal seit Juni 2006 rutschte das Pfund unter die Marke von 1,84 Dollar und notierte am Nachmittag bei 1,8351 Dollar. Wichtigster Grund für den schwächeren Wechselkurs ist die sich abzeichnende Rezession in Großbritannien. Im ersten Quartal ist das Wachstum auf der Insel überraschend zum Stillstand gekommen. Das schwächste Abschneiden der britischen Ökonomie seit der bislang letzten schweren Krise Anfang der 90er Jahre schürt bei Volkswirten den Verdacht, dass das Land bereits in eine Rezession abgeglitten ist.

Trotz der drohenden Krise sträubt sich die Bank of England bislang gegen Zinssenkungen. Grund ist die anhaltende Inflationsgefahr. Zuletzt war die Teuerung auf der Insel mit über vier Prozent auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds könnte die Inflation in den kommenden Wochen gar in Richtung fünf Prozent und mehr anziehen. Allerdings rechnet die Bank of England danach, auch wegen der erwarteten konjunkturellen Abkühlung, dass der Inflationsdruck wieder spürbar nachlässt. Bis zum Jahr 2010 soll das Stabilitätsziel der britischen Notenbank von einer Teuerungsrate von zwei Prozent wieder erreicht sein.

Damit wäre dann nach Meinung vieler Volkswirte der Weg für die Bank von England frei, gegen Ende des Jahres oder Anfang kommenden Jahres mit einer ersten Zinssenkung auf die Konjunkturschwäche zu reagieren; anschließend könnte dann eine Reihe von Zinsanpassungen nach unten folgen.

Vor diesem Hintergrund halten Analysten und Händler es für unwahrscheinlich, dass die Abwertung des Pfundes ein schnelles Ende findet. "Die meisten Investoren sehen die britische Wirtschaft mit kritischen Augen, das wird das Pfund weiter belasten", prognostiziert Paul Robinson, Währungsstratege von Barclays Capital. Darüber hinaus belaste auch die zunehmende Schwäche der wichtigen europäischen Handelspartner das Pfund. Gestern sorgte der deutlich niedriger als erwartet ausgefallene Konjunkturindex des Münchner Ifo-Instituts für Kursverluste des Euros gegenüber der amerikanischen Währung. Die Gemeinschaftswährung fiel mit 1,4595 Dollar auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten.

Komal Sri Kumar von der TCW Group hält den Dollar gegenüber Pfund und Euro auch nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen nach wie vor für unterbewertet und glaubt, dass die beiden europäischen Währungen bis 2010 unter Druck bleiben werden. Besonders auf das Pfund könnten harte Zeiten zukommen. Der Einfluss der Krise am Immobilienmarkt auf die Gesamtwirtschaft könne in Großbritannien noch heftiger ausfallen als in den Vereinigten Staaten, warnt der Währungsstratege.

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