Anleger bleiben nervös
Euro steht am Freitag unter Druck

Die Probleme der Schuldenstaaten Griechenland und Spanien setzen dem Euro zu. Scheitert die Regierungsbildung in Athen, wird sich der Kurs der Gemeinschaftswährung weiter von der 1,30 US-Dollar-Marke entfernen.
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FrankfurtDie unsicheren Perspektiven für die Eurozone haben die Gemeinschaftswährung am Freitag weiter belastet. Der Euro fiel bis auf 1,2903 Dollar und hat damit im Zuge seiner zweiwöchigen Talfahrt gut drei US-Cent an Wert verloren.

Ein großer Unsicherheitsfaktor ist derzeit die Frage, wie die griechische Politik künftig gestaltet wird. Derzeit gibt es erstmals seit den Wahlen vom Sonntag Hoffnung auf die Bildung einer handlungsfähigen Regierung. Der Chef der sozialistischen Pasok-Partei, Evangelos Venizelos, sprach am Donnerstag nach einem Sondierungstreffen mit der Demokratischen Linken von einem „guten Omen“ für eine mögliche Koalition. Es wird jedoch befürchtet, dass Venizelos den Schulden-Deal mit Griechenlands Euro-Partnern neu verhandeln will. Unter Investoren wurde dennoch heftig die Frage diskutiert, ob die Eurozone in absehbarer Zeit wohl einen Mitgliedsstaat weniger zählt. „Die Frage ist nicht mehr, ob Griechenland nun pleitegeht oder nicht, die Frage ist vielmehr, ob Griechenland die Eurozone verlässt oder nicht“, sagte Volkswirt Daisuke Karakama von der Mizuho Corporate Bank.

Ein unerwarteter Erfolg bei der Regierungsbildung in Griechenland könne zunächst eine Euro-Erholung auslösen, ohne dass die Verunsicherungen rund um die griechischen Probleme damit endgültig verschwinden würden, sagt Ralf Umlauf, Währungsexperte der Landesbank Hessen-Thüringen. „Eine mühsam formierte Regierung dürfte sich schwer damit tun, die weiteren Sparanstrengungen durchzusetzen.“

Auch die Analysten der Commerzbank beurteilen die Aussichten, dass für die Krise in Griechenland bald eine Lösung gefunden wird, sehr skeptisch: „Die Troika fordert von Griechenland nicht nur die tatsächliche Umsetzung der bisher beschlossenen Sparmaßnahmen, sondern verlangt bis Ende Juni einen Parlamentsbeschluss über weitere Einsparungen im Umfang von 11,5 Milliarden Euro in den Jahren 2013 und 2014. Dass diesen Forderungen tatsächlich nachgekommen wird, erscheint immer unwahrscheinlicher.“

Am Rentenmarkt waren denn auch wieder einmal die als sicher geltenden Bundesanleihen gefragt, der Bund-Future stieg um 21 Ticks auf 142,82 Zähler. Spanische Zehnjährige gerieten unter Verkaufsdruck; im Tagesverlauf will das Kabinett neue Maßnahmen zur Stützung des Finanzsektors beschließen. Zuletzt hat die Verstaatlichung der landesweit zweitgrößten Sparkasse für Aufruhr gesorgt.

Die Bankenreform, die heute durch das Parlament gebracht werden soll, wird von den Anlegern mit Skepsis beobachtet. Für einen Befreiungsschlag, der die Probleme im Finanzsektor lösen würde, dürften Summen erforderlich sein, die aus dem spanischen Staatshaushalt niemals gestemmt werden könnten. Die spanischen Banken sitzen auf Krediten im Wert von rund einer Billion Euro, die am maroden Immobiliensektor hängen, und brauchen deshalb dringend frisches Kapital als Risikopuffer.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Kursrückgänge des Euro sind unser kleinstes Problem. Vmtl. ist es überhaupt kein Problem: es verbessert die Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten der Nicht-Euro-Länder - insbesondere zu Lasten der Marktchancen der dortigen Inlandsproduzenten. Folgerichtig sind wohl dort die größeren Sorgen zu vermuten. Zum Schutze der betroffenen Wirtschaften wird dem Euro vmtl. sogar Unterstützung durch Stützungskäufe gegeben werden. Diese Einschätzung gilt nicht, wenn man das Szenario des Euro-Zusammenbauchs betrachtet. In diesem Falle wäre aber wohl mit einer schlagartigen Korrektur weit unter den Euro-Einführungskurs zu erwarten sein, zumal niemand davon ausgehen sollte, dass ein Rücktausch von Euro in die DM oder eine anders benannte Folgewährung zum Euro-Einführungskurs erfolgen wird.

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