Anleger suchen „sicheren Hafen“
„Der Goldmarkt spielt eine Rezession in den USA“

Der hohe Ölpreis hat am Donnerstag die Inflationsangst angeheizt und damit die Anleger zu Gold-Käufen motiviert. Der Preis für die Feinunze des gelben Edelmetalls stieg am Donnerstag zeitweise um mehr als ein Prozent auf ein Rekordhoch von 869,05 Dollar. Am Abend notierte die Feinunze noch bei 865,70 Dollar.

HB FRANKFURT. Händler führten den Goldpreis auf die mit dem Ölpreis wachsende Furcht vor höheren Inflationsraten in den USA und in Europa zurück. Am Mittwoch hatte Gold um knapp 3 Prozent zugelegt. Im Jahr 2007 war der Goldpreis bereits um über 30 Prozent geklettert. Am Donnerstagnachmittag stieg der Ölpreis weiter und erreichte in der Spitze in New York 100,12 Dollar je Barrel (159 Liter).

„Der Goldmarkt spielt eine Rezession in den USA“, erklärte LBBW-Analyst Frank Schallenberger die Nachfrage der Anleger nach Gold. Unerwartet schwache US-Konjunkturdaten waren am Mittwoch als Vorboten einer Eintrübung der US-Wirtschaft interpretiert worden. Da zugleich aber die Verbraucherpreise hoch bleiben, fürchten viele Investoren einen Wertverfall ihrer Anlagen. „Gold bietet sich da als klassischer Inflationsschutz an“, erläuterte Schallenberger. Während der hohe Euro-Kurs den Anstieg des Ölpreises in Europa etwas abfedert, trifft die Preisspirale die US-Verbraucher voll.

Viele Analysten vertreten die Einschätzung, dass der Ölpreis längerfristig nicht wesentlich weiter steigen wird. „100 Dollar sind natürlich eine psychologische Marke. Wir erwarten aber, dass der Ölpreis auf hohem Niveau verharrt“, sagte Commerzbank- Analystin Petra von Kerssenbrock voraus.

Nach Veröffentlichung der US-Lagerdaten für die Vorwoche nahm Öl seinen Höhenflug wieder auf. Die Rohölbestände der USA waren in der Vorwoche überraschend deutlich gefallen, während die Benzin- und Heizölbestände zulegten. Ein Fass US-Leichtöl kostete am Donnerstagabend etwas mehr als 100 Dollar, das Fass Nordseeöl erreichte in der Spitze 98,50 Dollar.

Auslöser des Ölpreisanstiegs ist Händlern zufolge die Angst vor Versorgungsengpässen, nachdem über die Feiertage aus Nigeria und Algerien politische Spannungen gemeldet worden waren.

Gold habe angesichts des starken Ölpreisanstiegs und des schwachen Dollar seine Rolle als sicherer Hafen behaupten können, sagte ein Goldhändler. Aus Sicht des Bankhauses HSBC Trinkaus steht der Goldpreis "vor dem großen Sprung". Auch Preise von 900 Dollar erschienen nicht mehr unrealistisch, sagte Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Anleger sollten aus seiner Sicht beachten, dass heute genau wie 1980 geopolitische Risiken, ein schwacher US-Dollar sowie niedrige Realzinsen für den Anstieg des Goldpreises verantwortlich seien. Genau wie damals könnte es nun zu einer Beschleunigungsphase mit einer anschließenden Korrekturbewegung kommen, welche durch die geringe Größe der Anlageklasse Gold sowie der großen Anzahl technisch orientierter Händler begründet seien.

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