Anleihen und Devisen
Risikoaufschläge steigen, Euro bleibt unter Druck

Der Anleihemarkt kommt nicht zur Ruhe. Die Risikoaufschläge auf spanische und portugiesische Staatsanleihen stiegen bis auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung bleibt ebenfalls angeschlagen.
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HB FRANKFURT. Die Schuldenkrise einiger Euro-Länder hat den Euro weiter im Griff. Selbst die aufgehellte Stimmung in der deutschen Wirtschaft konnte die Gemeinschaftswährung am Mittwoch nicht spürbar antreiben. Der Euro pendelte am Nachmittag knapp unter 1,34 Dollar und lag damit nur knapp über dem Schlussstand vom Dienstag.

Der unerwartet starke Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex habe den Investoren erneut bewusst gemacht, dass die Volkswirtschaften der Euro-Zone immer weiter auseinanderdrifteten, sagten Börsianer. "Der gute Ifo-Index hat den Euro unbeeindruckt gelassen. Man rechnet bei einer zu starken Performance Deutschlands mit großen Spannungen innerhalb der Euro-Zone", sagte ein Händler. Ein Ende der Turbulenzen sei nicht abzusehen, hieß es bei der Commerzbank. "Die Unsicherheit darüber, wie es weitergeht, ist einfach zu groß", erklärte Analystin Antje Praefcke.

Der Ifo-Index selbst wurde positiv gesehen. "Die Tatsache, dass die Geschäftserwartungen einen neuen Hochpunkt erreicht haben, signalisiert, dass die konjunkturelle Dynamik zu Beginn des kommenden Jahres erhalten bleibt", erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Hingegen drückte die Lage am US-Immobilienmarkt auf die Stimmung: im Oktober wurden deutlich weniger Eigenheime verkauft.

Die irische Schuldenkrise erhöhte erneut den Druck auf andere hochverschuldeten Länder der Euro-Zone. Von einem erhofften Beruhigungseffekt durch die EU-Hilfen könne keine Rede sein, urteilte die Commerzbank. Nach Einschätzung der Anleger wächst wegen des finanziellen und politischen Notstands in Irland die Gefahr, dass auch Portugal und Spanien in den Strudel der Krise geraten. "Die Furcht am Anleihemarkt konzentriert sich nun auf die iberische Halbinsel", sagte Volkswirt Philip Shaw von Investec. Misstrauische Investoren verkauften die Anleihen dieser Staaten und trieben dadurch die Rendite der Papiere nach oben.

Die Risikoaufschläge auf spanische und portugiesische Staatsanleihen stiegen bis auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Zehnjährige spanische Titel wollten Anleger nur noch kaufen, wenn ihre Rendite um 2,6 Prozentpunkte höher ausfiel als bei deutschen Papieren. Bei portugiesischen Papieren belief sich der Zinsaufschlag sogar auf 4,8 Prozentpunkte. Auch Versicherungen gegen einen Bankrott dieser Staaten verteuerten sich angesichts der steigenden Nachfrage deutlich.

Bundesanleihen waren wegen der starken deutschen Wirtschaftsdaten unbeliebt. Der Bund-Future machte seine Vortagesgewinne komplett zunichte und fiel um mehr als einen Prozentpunkt auf 127,77 Zähler. "Das war gestern ein starker Lauf und heute gibt es einen Rücksetzer durch die Wirtschaftsdaten und die Sparpläne Irlands", sagte ein Händler.

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