Arabische Anleger bleiben bevorzugt in ihrer Region
Petrodollar treiben Börsenkurse hoch

Eigentlich wollte die neu gegründete Aabar Petroleum Investment aus Dubai mit einer Neuemission nur 135 Millionen Dollar aufnehmen. Doch beim Börsengang wurde die Ölfirma mit Zeichnungsangeboten überflutet. Die Nachfrage nach den neuen Papieren erreichte 110 Milliarden Dollar, 800-mal mehr, als Aabar Petroleum in der Kasse haben wollte.

DUBAI/DÜSSELDORF. Diese Entwicklung ist symptomatisch für die Region am Golf. Denn die hohen Rohölpreise haben die Ökonomie des Nahen Ostens verändert. Die Zeiten der Rezession, der Haushaltsdefizite und zunehmender Staatsverschuldung sind vorbei. Eine fast grenzenlose Liquidität prägt das ökonomische Geschehen. Bisher profitierten von dem Geldsegen vor allem die Börsen im arabischen Raum. Ein Teil der Gelder könnte auch nach Europa fließen.

In diesem Jahr werden die Öleinnahmen der Golfländer um 50 auf 265 Milliarden Dollar steigen, schätzt Daniel J. Hanna, Chefökonom der Standard Chartered Bank in Dubai, „aber die Summe der Gelder, die außerhalb der Region investiert werden, bleibt unverändert“. Der größte Teil der in die Golfregion fließenden Gelder würden in der Region oder in alternativen Anlagen wie Hedge-Fonds angelegt.

Seit dem Jahr 2003 hat sich die Kapitalisierung der Aktienmärkte in den Golfstaaten um 550 Mrd. Dollar erhöht. Derzeit beträgt sie rund 900 Mrd. Dollar, fast 80 Prozent mehr als Ende 2004, heißt es in einem Bericht des kuwaitischen „Global Investment House“. Im Jahresvergleich stieg der vom Börsenhaus SHUAA Capital berechnete Index in Oman und in Kuwait um 51 Prozent und in Saudi-Arabien um 76 Prozent. Auch an den Börsen von Amman und Kairo treiben die üppig fließenden Petrodollar die Kurse in die Höhe, weil Anleger aus Kuwait oder Riad ihre Anlagen diversifizieren. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres stieg der Börsenindex von Dubai um 140 Prozent.

Angeheizt wird die Rally nicht nur durch die Ölpreise, sondern auch durch Kapitalrückflüsse. Zwar gibt es für das viele Kapital am Golf kaum genügend Anlagemöglichkeiten, doch meiden seit den Anschlägen vom 11. September 2001 viele arabische Anleger den Westen. „Es dürfte an der geopolitischen Situation in der Region liegen, aber auch daran, dass diese Länder Investments benötigten“, sagt John Payne, Fondsmanager von Baring Asset Management. Daher hätten die Börsen in Kuwait, Saudi-Arabien, Dubai, Jordanien und Ägypten stark zugelegt. „Nun sind diese Märkte teuer und überkauft“, so Payne.

Bislang sind die zwölf Börsen im arabischen Raum allerdings nur ungenügend reguliert und gewähren ausländischen Anlegern höchstens begrenzten Zugang. Eine Chance für Dubai, das in zwei Wochen eine neue Börse eröffnen will, die westlichen Standards entsprechen soll. Auch internationale Investoren sollen dann zum Handel zugelassen werden. Doch auch die etablierten westlichen Finanzmärkte sind nicht aus dem Rennen. „Die Euro-Zone dürfte ein bevorzugtes Ziel der zur Anlage drängenden Mittel sein“, meint Eberhardt Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. „Die Gelder werden nicht mehr nur einseitig in Dollar-Anlagen gehen.“ Ähnlich wie Russland würden auch Länder wie Saudi-Arabien ihre Anlagen stärker diversifizieren. Davon werde auch der Euro profitieren.

Und Geld fließen dürfte noch reichlich. Denn in den bisherigen Berechnungen sei der schnelle Anstieg der Ölpreise bis auf 70 Dollar noch gar nicht enthalten. Unger erinnert zudem an die Ölpreiskrisen in den siebziger und achtziger Jahren. „Damals haben die Kuwaiter 25 Prozent der Metallgesellschaft bar bezahlt“, sagt er. „Paketweise“ seien auch Aktien von Daimler und Hoechst gekauft worden. Seiner Meinung nach könnten sich solche Käufe wiederholen. Er rechnet bis zum Jahresende daher mit einem Anstieg des Euros auf 1,30 und bis Ende 2006 bis auf 1,40 Dollar. Achim Stranz, Chief Investment Officer von AXA Investment Managers Deutschland, ist da zurückhaltender. „Es liegen keine verlässlichen Daten vor.“ Doch mit Blick auf die Euro-Zinsen und die Entwicklung des Euros zum US-Dollar geht auch er davon aus, „dass wohl ein Teil in unserem europäischen Bondmarkt gelandet sein wird“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%