Arbeitskampf in der norwegischen Ölindustrie
Irakische Ölexporte lassen Ölpreis sinken

Am Vormittag hatte der Arbeitskampf in der norwegischen Ölindustrie den Ölpreis zunächst nach oben getrieben. Doch nachdem der Irak am Mittwoch seine Ölexporte aus dem Norden des Landes wieder aufgenommen hatte, gingen die Preise auf dem Weltmarkt etwas zurück.

HB KIRKUK/OSLO. Die Reparaturen an der von den Ölfeldern um Kirkuk in den türkischen Mittelmeer-Hafen Ceyhan führenden Pipeline seien abgeschlossen, sagten Vertreter der Ölgesellschaft North Oil Company. Der Export sei mit täglich 200 000 Barrel (ein Barrel entspricht knapp 159 Liter) aufgenommen worden. Wann Öltransporter in Ceyhan wieder Ölladungen aufnehmen können, ließen die Vertreter der North Oil Company offen. Der Export von den nördlichen Ölfeldern im Irak war vor etwa drei Wochen nach einem Anschlag auf die Pipeline unterbrochen worden.

Ein Barrel der führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im August verbilligte sich am Mittwoch in London um 38 Cent auf 35,23 Dollar. Leichtes US-Öl gab einen halben Dollar auf 37,75 Dollar nach.

Auf Grund wiederholter Anschläge hat der Irak seit der von den USA angeführten Invasion im vergangenen Jahr gerade einmal rund 13 Mill. Barrel Öl über Ceyhan ausgeführt. Vor dem Krieg waren es pro Tag 800 000 Barrel. Aus dem Süden des Landes exportiert der Irak derzeit mehr als eine Million Barrel täglich - vor dem Irak-Krieg waren es 1,8 Mill. Barrel. Die Ölexporte sind die wichtigste Geldquelle für den Wiederaufbau des Landes.

Der Arbeitskampf in der norwegischen Ölindustrie ist zuvor am Mittwoch eskaliert: Die Gewerkschaft OFS verkündete die Ausweitung der Streiks. Der Branchenverband der Ölunternehmen OLF erklärte, die Arbeitgeber würden auch Aussperrungen in Erwägung ziehen. Mit der Ausweitung des Streiks wird die Tagesproduktion des drittgrößten Erdölexporteurs (rund drei Mill. Barrel) nach Gewerkschaftsangaben um etwa 715 000 Barrel reduziert. Eine Aussperrung würde praktisch zu einem völligen Stopp der Ölförderung führen. Auf dem Londoner Ölmarkt trieb die Ankündigung der Gewerkschaft den Ölpreis zunächst in die Höhe. In dem Tarifkonflikt geht es um Rentenansprüche, Einschränkungen für die Beschäftigung von Teilzeitarbeitern auf Ölplattformen sowie eine bessere Gesundheitsversorgung für Nachtschichtarbeiter.

Die Regierung in Oslo nannte die Nachricht von einer Ausweitung der Streiks Besorgnis erregend und forderte Gewerkschaften und Arbeitgeber auf, ihren Tarifkonflikt beizulegen. Sozialminister Dagfinn Hoybraaten sagte, die Regierung sehe aber gegenwärtig noch keinen Grund, sich in die Verhandlungen einzuschalten. Diese Äußerung hat nach Angaben von Händlern den Ölpreis steigen lassen. „Das (der Anstieg) geht auf die Äußerung der Regierung zurück“, sagte ein Händler.

Bei dem letzten vergleichbaren Streik in der norwegischen Ölindustrie kündigten die Arbeitgeber nach zehn Tagen Aussperrungen an. Die Regierung griff nach 13 Tagen zu Notstandsgesetzen, um ein Ende des Arbeitskampfes anzuordnen. Erdöl bildet das Rückgrat der norwegischen Wirtschaft und erbringt rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Norwegen ist drittgrößter Ölexporteur nach Saudi-Arabien und Russland. Durch den Streik gehen der norwegischen Ölindustrie nach Angaben des staatlichen Norwegian Petroleum Directorate (NPD) täglich umgerechnet rund 13 Millionen Euro verloren. 80 Prozent der Öleinnahmen gehen an den Staat.

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