Atomstreit
Iranische Drohung treibt Ölpreis

Der Ölpreis reagierte mit spürbaren Anstiegen auf die Drohung des Irans, die Öllieferungen zu drosseln. Das geistliche Oberhaupt des Irans Ayatollah Ali Chameneis hat für den Fall eines amerikanischen Militärschlags vor einer weltweiten Energiekrise gewarnt.

HB TEHERAN. Sollten die USA sein Land angreifen, wären die Öllieferungen aus der Region ernsthaft gefährdet, sagte das geistliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali Chamenei. US-Außenministerin Condoleezza Rice erklärte, derartigen Drohungen dürfe nicht zu viel Bedeutung zugemessen werden. Dennoch stieg der Ölpreis als Reaktion auf Chameneis Äußerungen an.

In Singapur zog der Preis am Montag im elektronischen Handel um 90 Cent auf 73,23 Dollar (57,14 Euro) an. Dieser Betrag wurde fällig für ein Barrel (159 Liter) leichten Rohöls mit Lieferdatum Juli. In London und New York wurden bis zum Mittag Anstiege von rund 1,50 Dollar pro Barrel gemeldet. Damit erreichte Öl der Sorte Brent in London den Preis von 72,57 Dollar (56,63 Euro), in New York waren es 73,70 Dollar. Auch die Preise für Benzin, Gas und Heizöl legten auf den internationalen Rohstoffmärkten zu.

Chamenei sagte am Sonntag im staatlichen Rundfunk, die USA und ihre Verbündeten wären nicht in der Lage, alle Schiffe in der Straße von Hormus zu schützen, durch die ein Großteil der Öllieferungen in den Westen gelangt. Der Iran ist der viertgrößte Ölexporteur der Welt. Bisher hatten iranische Regierungsvertreter stets betont, sie wollten das Öl nicht als Waffe im Atomstreit einsetzen.

Der Vorwurf, Teheran strebe nach einer Atombombe, sei „eine blanke Lüge“, sagte Chamenei. Zugleich betonte er, von seinem Land werde kein Krieg ausgehen: „Wir haben keinen Nachbarn bedroht.“ Der Iran habe das Recht, Energie aus Kernkraft zu gewinnen. Wenn das Land darauf verzichte, müsse es „einige wenige westliche und europäische Länder in den nächsten 20 Jahren um Energie anbetteln“.

Rice wies Chameneis Warnungen zurück. Der Iran sei schließlich vom Ölhandel abhängig, sagte die US-Außenministerin im US-Sender Fox News. Weiter erklärte Rice, sie erwarte von Teheran eine zügige Antwort auf das jüngste Angebot im Atomstreit. Eine Klärung des Konflikts müsse innerhalb von Wochen, nicht von Monaten erreicht werden.

Die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - sowie Deutschland haben Teheran Anreize für einen Stopp der Urananreicherung in Aussicht gestellt. Einzelheiten des Angebots waren zunächst nicht bekannt. Rice sprach von einer „großen Chance“ für den Iran. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana werde den jüngsten Vorschlag am Dienstag der iranischen Regierung übermitteln, verlautete aus EU-Diplomatenkreisen.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte am Samstag, man werde sich mit der Prüfung des Angebots Zeit lassen. „Wir streben Verhandlungen an, aber faire und gerechte Verhandlungen. Es darf keine Bedingungen geben“, sagte Ahmadinedschad in einer Rede in Teheran. In einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Kofi Annan bekräftigte er das Festhalten am Atomprogramm. Zuvor hatte Außenminister Manutschehr Mottaki im Falle von Verhandlungen ohne Vorbedingungen eine baldige Lösung des Atomstreits in Aussicht gestellt. „Bei gutem Willen ist ein Durchbruch möglich“, sagte Mottaki am Samstag vor Journalisten.

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