Auch in der nächsten Zeit sind Interventionen wahrscheinlich
Japanische Regierung bremst Anstieg des Yens

Die Stimmung in Japan hellt sich auf. Die Wirtschaftsprognosen werden angehoben, die Aktienkurse steigen und auch die Langfristzinsen am Bondmarkt klettern wieder nach oben. Nur der japanische Yen scheint von den positiven Nachrichten nicht oder nur minimal zu profitieren.

TOKIO/DÜSSELDORF. Gestern zog er zum US-Dollar leicht an und notierte bei 118,30 Yen. Auch zum Euro holte er auf und lag bei 131,20 Yen. Allerdings spielt der Euro im Hinblick auf den Yen nur eine untergeordnete Rolle.

Eine rasche Aufwertung des Yens gegenüber dem US-Dollar scheint zurzeit eher unwahrscheinlich, mittel- bis langfristig könnte sich dies Analysten zufolge aber ändern. Gregor Beckmann von HSBC Trinkaus & Burkhardt etwa prognostiziert bis Ende 2003 einen Anstieg der japanischen Währung zum Dollar auf 110 Yen und bis Mitte 2004 auf 108 Yen. Seine ambitionierte Prognose begründet der Analyst mit der Erwartung, dass sich die Konjunkturerholung fortsetzen wird. Zudem sei der „US-Dollar grundsätzlich auf dem Rückzug“, sagt Beckmann. Die Problematik des hohen US-Leistungsbilanzdefizits sei unverändert akut und die USA würden mittelfristig ein Problem haben, ausreichend Kapital aus dem Ausland anzuziehen. Neben China gilt Japan als wichtigster „Financier“ des US-Leistungsbilanzdefizits.

Kurzfristig bleibt eine starke Yen-Aufwertung aber mehr als fraglich. Dagegen sprechen die drohenden Interventionen der Regierung, zum anderen die Vorsicht der Anleger. Die Erfahrung lehre, dass „immer die große Enttäuschung hinterher kam“, sagt Bastian Hepperle. Der Volkswirt der Westdeutschen Landesbank (WestLB), bleibt daher vorsichtig. Sollte die Entwicklung in Japan noch einmal enttäuschen, könnte der Yen zum Dollar sogar wieder auf rund 120 Yen nachgeben.

Gravierender als die Zweifel an der Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung ist aber die Frage, wie lange sich Japan mit massiven Interventionen gegen eine Yen-Aufwertung stemmen kann. Trinkaus-Experte Beckmann ist sich sicher: „Interventionen können zwar einen generellen Trend bremsen, ihn aber nicht ganz verhindern“. Als unbestritten gilt, dass sich Japans Regierung nicht von dem prognostizierten Jahreswachstum von real über 2 % blenden lassen wird. In Tokio heißt es, das Wachstum sei nicht so stabil, dass es die Vorsicht der Regierung sinken und die Interventionen abklingen lassen werde. Laut Toru Umemoto, Devisenexperte von Morgan Stanley in Tokio, hat der zuletzt etwas festere Yen die Regierung bereits aufgeschreckt. Vize-Finanzminister Zembei Mizoguchi habe gewarnt, das Ministerium werde eingreifen, wenn nötig.

USA sind größter Einzelmarkt bei den Ausfuhren

Japans Regierung hat zwei Hauptmotive für ihre Interventionen – als kritische Marken gelten 118 bzw. 115 Yen zum Dollar. Zum einen sollen durch die Eingriffe in den Devisenmarkt die Exporteure gestärkt werden. Die USA sind für Japan der größte Einzelmarkt bei den Ausfuhren, entsprechend wichtig ist eben der Kurs des US-Dollars. Und trotz der besseren Gesamtentwicklung der japanischen Wirtschaft im 2. Quartal – vor allem wegen höherer Investitionen der Unternehmen – schrumpfen die Exporte in die USA derzeit. Hier ist also keineswegs Entwarnung gegeben.

Im jüngsten Tankan-Bericht gingen Japans große Produzenten von einem Wechselkurs von 117,9 Yen pro US-Dollar aus. Experten sehen daher einige der Yen-Interventionen auf diesem Level. In jedem Fall scheint das Finanzministerium entschlossen, den Yen nicht unter die Marke von 115 Yen zum Dollar fallen zu lassen. Als der Dollar-Yen-Kurs Mitte Mai dieses Zweijahrestief erreichte, intervenierte Japan mit mehr als einer Billion Yen an einem Tag, insgesamt mit fast 4 Billionen Yen. Ohnehin waren Japans Devisen-Interventionen noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Zwischen Januar und Juli wurden auf Geheiß des Finanzministeriums 9 Billionen Yen (gut 67 Mrd. Euro) verkauft, um die Währung niedrig zu halten. Bei 115 Yen pro Dollar fallen einige Branchen bereits nach eigenen Angaben beim Exportgeschäft in die USA unter die Gewinnschwelle.

An diesem Minimallevel werde die Regierung auch in den nächsten Monaten festzuhalten versuchen, schreibt Ökonom Jeffrey Young von Nikko-Citigroup in einer Studie. Er geht davon aus, dass sich der Yen zwischen 115 und knapp 126 Yen zum Dollar bewegen wird. Sollte sich der erhoffte Aufschwung in den USA einstellen, ließe der Aufwärtsdruck auf den Yen ohnehin nach, glaubt Young.

Der zweite Grund, warum die Regierung den Yen niedrig halten will, ist die Deflation im eigenen Land. Auch im 2. Quartal ist die Wirtschaftsleistung nominal im Jahresvergleich noch geschrumpft. Wenn der Yen steigt, werden Importwaren günstiger, das Preisniveau könnte weiteren Druck nach unten bekommen. 2004 halten einige Ökonomen ein spürbares Abklingen des Deflationsdrucks für möglich. In diesem günstigen Szenario könnte sich die Interventionspolitik des Finanzministeriums ebenso wie die Geldpolitik der Bank of Japan ändern. Doch so weit ist es noch nicht

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