Auf den Anstieg folgt der Fall
Sinkende Ölpreise verunsichern Anleger

In den vergangenen Wochen ging es für den Ölpreis kräftig nach oben. Damit ist es nun vorbei: Der Ölpreis fällt wieder stark. Ist die Hoffnung auf einen dauerhaften Preisanstieg damit beendet?

DüsseldorfDie Ölpreise haben ihren monatelangen Kletterkurs beendet und sinken wieder. Nach der wochenlangen Erholung sind die Preise für die führenden Ölsorten Anfang der Woche wieder deutlich unter die Marke von 50 Dollar gefallen.

Der relativ schwache Dollar und die Spekulationen um eine Förderbremse durch die Opec hatten den Preisanstieg im August befeuert. Der Preis war seit Anfang August in der Spitze um 20 Prozent gestiegen. Brent hatte zeitweise sogar wieder über der psychologisch und technisch wichtigen 50-Dollar-Marke notiert.

Damit ist es aber nun erst einmal vorbei, eine Rückkehr zu höheren Ölpreisen bleibt aus: Am Dienstagmorgen fielen Ölpreise erneut. Nordseeöl der Sorte Brent verlor 0,6 Prozent auf 48,85 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 47,04 Dollar 0,8 Prozent weniger. Damit fallen derzeit die Ölpreise so stark wie seit drei Wochen nicht mehr.

Viele Analysten schätzen den Preisanstieg im August als übertrieben ein - deshalb würden nun die Preise fallen. „Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung der Opec auf eine Begrenzung der Fördermenge ist aufgrund der schlechten Beziehung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien nicht sehr hoch,“ schreiben Rohstoffanalysten in einem Kommentar.

Öl-Experten beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass es bei der nächsten Sitzung zu einer Einigung kommt, auf gerade einmal 25 Prozent. Zuvor hatten Marktteilnehmer auf Produktionskürzungen spekuliert, weil sich Opec-Minister in Kommentaren entsprechend geäußert hatten.

Anleger sollten demnach nicht auf einen dauerhaften Preisanstieg hoffen. Denn viele Analysten gehen davon aus, dass die Preise für Öl in den kommenden Monaten wieder fallen könnten. Denn der globale Ausblick auf die nächsten sechs bis zwölf Monate habe sich nicht geändert. Es bestehe weiterhin ein Überschuss an den Märkten, der auf eine geringe Nachfrage trifft und damit zu niedrigen Preisniveaus führt.

Eine Vielzahl von neuen Förderungsprojekten, die in den nächsten Monaten starten sollen, tragen dazu bei. Nigeria, Irak und Libyen nehmen im zweiten Halbjahr wieder die Produktion auf, das könnte das derzeitige Überangebot an Öl auf den Weltmärkten vergrößern.

Analysten rechnen beim US-Öl deshalb bis zum nächsten Sommer mit einer Preisspanne von 45 bis 50 Dollar. Fest steht: Der Preis wird ständigen Schwankungen unterworfen sein, denn die Unsicherheit über die weitere Entwicklung an den Märkten bleibt hoch.

Henning Jauernig
Henning Jauernig
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
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