Auf drei Monate begrenzt
Opec will zwei Millionen Barrel zusätzlich anbieten

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) tastet wegen des rasant gestiegenen Ölpreises ihre letzten Ölreserven an.

HB WIEN. Das Kartell biete ab 1. Oktober am Weltmarkt seine noch freien Ölreserven von zwei Mill. Barrel pro Tag an, sagte Venezuelas Ölminister Rafael Ramirez am Dienstag nach Beratungen mit seinen Opec-Kollegen in Wien. Das vereinbarte Angebot gelte für drei Monate. Damit wolle man vor der Heizperiode auf der Nordhalbkugel Sorgen über eine Nachfragespitze zerstreuen Der Ölpreis sank etwas und lag am späten Nachmittag 1,40 Dollar tiefer bei 66 Dollar je Barrel. Am Montag war er noch um rund vier Dollar gestiegen, da der inzwischen zum Hurrikan heraufgestufte Sturm „Rita“ sich immer stärker der US-Küste näherte und Befürchtungen über erneute Produktionsausfälle der Raffinerien am Golf von Mexiko auslöste.

Opec-Präsident Ahmed Fahd el Sabah sagte nach der Konferenz, das Kartell habe sich zu diesem Schritt entschlossen, „obwohl sich der Markt heute nicht mehr an Angebot und Nachfrage orientiert“. Es gebe zurzeit ausreichend Öl am Markt. Die elf Opec-Länder einschließlich Irak fördern zurzeit zusammen bereits rund 30,5 Mill. Barrel. In den vergangenen Wochen ist die Nachfrage jedoch wegen der hohen Ölpreise bereits zurückgegangen.

Das zusätzliche Angebot der Opec lässt die offizielle Förderquote unverändert bei 28 Mill. Barrel pro Tag, womit diese faktisch ausgesetzt wird. Die tatsächliche Förderung der elf Mitgliedsländer liegt jedoch schon seit Monaten deutlich über dieser formellen Obergrenze. Vor allem der weltgrößte Erdölproduzent Saudi-Arabien verfügt noch über substanzielle freie Kapazitäten.

Einige Opec-Delegierte bezweifelten indes, dass es Käufer für das zusätzlich angebotene Öl geben werde. Ähnlich äußerten sich einige Volkswirte. Sie verwiesen darauf, dass der Hauptgrund für die hohen Ölpreise die Raffinerie-Engpässe in den USA nach dem Hurrikan „Katrina“ seien. Daher sei der Effekt der Opec-Vereinbarung für die Märkte eher gering. „Das Problem ist nicht ein Mangel an Öl, denn man benötigt kein Öl, sondern Benzin, Heizöl und Diesel. Wenn es an Raffinerien fehlt, dann haben wir schlicht ein Problem“, sagte Bruce Evers von Investec Securities.

Der Ölpreis war nach „Katrina“ auf Rekordhöhen über 70 Dollar gestiegen. Noch immer arbeiten viele der zum Teil zerstörten Raffinerien am Golf von Mexiko deutlich unter Normalniveau. Die Industriestaaten befürchten, dass der steigende Ölpreis vor der Heizsaison auf der Nordhalbkugel das Wirtschaftswachstum abwürgen könnte. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in dem teuren Öl nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen ein immer größeres Risiko für die Weltwirtschaft.

Das nächste Treffen der OPEC-Ölminister soll am 12. Dezember in Kuwait stattfinden.

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