Ausblick 2010
Droht eine Rohstoff-Blase?

Das Jahr 2009 war ein gutes für die Rohstoffpreise; kräftig sind sie geklettert. Aber was kommt 2010 und später? Geht es weiter nach oben? Die Experten streiten sich. Während die einen sagen, noch sei das Ende der Rally nicht erreicht, warnen andere vor dem nächsten Absturz.
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HB FRANKFURT. Die Rohstoffpreise werden im kommenden Jahr weiter steigen - soweit sind sich Experten einig. Doch während die einen darin ein Spiegelbild der sich erholenden Weltwirtschaft sehen, warnen andere vor einer Spekulationsblase.

„Solange die Zentralbanken die Schleusen offen lassen, können wir damit rechnen, dass die Rohstoffmärkte weiter steigen werden“, prognostiziert Gerd Henning Beck, Fondsmanager bei Lupus Alpha. Hingegen sieht LBBW-Rohstoffanalyst Frank Schallenberger Preissteigerungen bei Öl, Kupfer & Co als Folge einer steigende Nachfrage im Zuge eines Aufschwungs: „Eine Blase sehe ich nicht."

Ob fundamentale Erholung oder spekulative Rally - wer im zu Ende gehenden Jahr auf Rohstoffe gesetzt hat, darf sich zu Weihnachten über satte Gewinne freuen. Der Preis für die Tonne des wichtigen Industriemetalls Kupfer hat sich seit Jahresbeginn auf zuletzt fast 7000 Dollar mehr als verdoppelt. US-Öl der Sorte WTI verteuerte sich im gleichen Zeitraum um gut 80 Prozent auf zuletzt etwa 73 Dollar je Fass. Dagegen nimmt sich die Rally an den Aktienmärkten bescheiden aus: Der Dax legte im gleichen Zeitraum knapp ein Viertel Prozent zu.

Im neuen Jahr sieht Schallenberger den Ölpreis auf rund 80 Dollar je Fass klettern. „Wir erwarten ein Wachstum der Weltwirtschaft, dann dürfte auch die Ölnachfrage wieder hochgehen und Preis moderat nach oben gehen.“

Seine Kollegin Sintje Diek von der HSH Nordbank ist noch etwas zuversichtlicher. „Wir sehen weiter steigende Preise Richtung 85 Dollar am Jahresende. Dieser Trend dürfte sich auch 2011 fortsetzen“, prognostiziert sie. Neben einer Erholung der Wirtschaft in den westlichen Industrienationen verweisen die Analysten auf den steigenden Öldurst in den sogenannten aufstrebenden Märkten. „Die Chinesen fahren immer mehr Auto, da wird auch der Benzinverbrauch steigen“, sagt Schallenberger.

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  • Das bundesamt für Statistik hat jüngst gemeldet, dass erstmals seit beginn der berechnungen im Jahre 1995 die Fahrleistung der privaten deutschen Haushalte 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozent zurückgegangen ist. Das entspricht einem Rückgang des Kraftstoffverbrauchs von 2,3 Prozent. im Jahr 2009 dürfte es kaum besser aussehen, angesichts des Wirtschaftseinbruchs und des Ausmaßes an Kurzarbeit. So überrascht es nicht, dass laut bMWi der Verbrauch an Primärenergieträgern nach vorläufigen berechnungen im Jahr 2009 um 6,5 Prozent unter dem Vorjahreswert liegt. Dies ist in Deutschland der niedrigste Wert seit Anfang der siebziger Jahre.

    Die deutsche Wirtschaft hat sich in der Krise bisher vergleichsweise gut gehalten. in den USA, Großbritannien, Japan, aber vor allem auch in Osteuropa sieht es keinesfalls besser aus. Zudem ist klar, dass sich die Finanzmärkte von der realwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt haben. Die Notenbanken haben die Märkte zudem mit Liquidität überschwemmt, die, da sie definitiv nicht in die Wirtschaft fließt, angelegt werden will.

    Als Dubai wegen der befürchtung von Zahlungsschwierigkeiten in die Schlagzeilen kam, rauschten die Aktienkurse, der Ölpreis und auch der Goldpreis gleichzeitig nach unten, was ein deutliches Alarmsignal war.

    Alle Ökonomen von Wirtschaftsforschungsinstituten haben uns darauf eingestimmt, dass eine nachhaltige Wirtschaftserholung nicht in Sicht ist und das Jahr 2010 noch schwerer werden wird als 2009.

    Aber wenn man banker und Fondsmanager, also Finanzmarktakteure, befragt, die mit solchen Anlagen ihr Geld verdienen und ein interesse daran haben, dass das Spiel weiter geht, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn man dennoch ein recht optimistisches, zumindest aber weichgespültes bild geliefert bekommt. Unmittelbar vor der letzten großen Ölblase war das auch schon so. Noch kurz vor dem Absturz kursierten Prognosen aus interessierten Kreisen, der Ölpreis werde bald auf 200 US-Dollar steigen. Und auch damals wurde der Anstieg der Rohstoffpreise – und selbst der Lebensmittelpreise – mit der stark steigenden Nachfrage in China begründet.

    Wer nimmt das noch ernst?

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