Devisen + Rohstoffe
Ausgeprägte Dollarschwäche heizt Spekulation über Intervention an

Die ausgeprägte Dollarschwäche heizt an den Devisenmärkten die Spekulationen über eine Intervention der Notenbanken an. Experten trauen der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar einen Alleingang zu, da der teure Euro die Konjunkturerholung in den zwölf Euroländern abzuwürgen droht.

dpa-afx FRANKFURT. Die ausgeprägte Dollarschwäche heizt an den Devisenmärkten die Spekulationen über eine Intervention der Notenbanken an. Experten trauen der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar einen Alleingang zu, da der teure Euro die Konjunkturerholung in den zwölf Euroländern abzuwürgen droht. Mit 1,3 074 Dollar erreichte die Gemeinschaftswährung am Donnerstag den höchsten Stand seit ihrer Einführung am 1. Januar 1999.

Der Chefvolkswirt des Londoner Devisenspezialisten ECU Group, Neil Mackinnon, schließt sogar einen Eingriff der EZB noch vor dem am Wochenende beginnenden G20-Treffen in Berlin nicht aus. Damit könnten die Frankfurter Währungshüter deutlich machen, dass ein weiterer Euro-Anstieg nicht erwünscht sei.

Gegen Vollkasko-Mentalität

Strikt gegen einen Alleingang der EZB ist der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. "Die EZB ist nicht das Vollkaskoinstitut für europäische Exporteure, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben", sagte Hellmeyer. Die Unternehmen hätten alle Chancen gehabt, sich rechtzeitig zu günstigen Kursen gegen Wechselkursschwankungen (Hedging) abzusichern. Der starke Euro verteuert die Exporte der Euroländer und belastet damit die Konjunktur.

Eine "gute Chance" für einen einseitigen Eingriff der EZB in den kommenden Wochen sieht dagegen Europa-Volkswirt Eric Chaney von Morgan Stanley. Der teure Euro drücke bereits jetzt die Unternehmensgewinne in den Euroländern und führe zu einem Rückgang der Investitionen. Ein sicheres Signal für die Vorbereitung einer Intervention ist für den Experten das Ausbleiben von Kommentaren der EZB-Ratsmitglieder zu den Wechselkursen. "Je ruhiger sie werden, desto größer die Wahrscheinlichkeit zur Bereitschaft einer Intervention".

'Brutale' Schwankungen

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte vergangene Woche die Wechselkursschwankungen als "brutal" bezeichnet. Zuletzt hatte EZB-Ratsmitglied Nicholas Garganas Erwartungen gedämpft, die Europäische Zentralbank (EZB) werde schon bald mit konkreten Schritten gegen den Anstieg der Einheitswährung vorgehen. "Die Wechselkursentwicklung überlässt man am besten den Märkten", sagte der Notenbanker der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe).

Experten zweifeln daran, dass beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in der Wechselkursfrage auf einen gemeinsamen Nenner kommen. "Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Interessenlagen", sagte Commerzbank-Experte Carsten Fritsch. Den USA kommt der schwache Dollar gelegen, um die riesige Lücke in der Leistungsbilanz zu verkleinern. Dagegen fürchten die Euroländer eine abflauende Konjunktur, da ein hoher Eurokurs die Exporte verteuert. Vor allem in Deutschland - der größten Volkswirtschaft der Eurozone - hängt die Konjunkturerholung stark vom Export ab./rw/js/zb

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