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Aussicht auf Benzin aus Europa für die USA drückt Ölpreis

Die Aussicht auf Benzinlieferungen aus Europa in die USA hat am Freitag den Ölpreis gedrückt. Ein Fass US-Leichtöl kostete am Nachmittag mit gut 67 Dollar etwa so viel wie vor einer Woche, als der Hurrikan „Katrina“ die US-Golfküste noch nicht verwüstet hatte.

HB LONDON. Um den Import ausländischer Benzinsorten zu ermöglichen, lockerte die US-Regierung in den vergangenen Tagen schon vorübergehend die Umweltauflagen für Benzin und erlaubte ausländischen Öltankern das Anlaufen von US-Häfen. Nach Auskunft von Ölexperten dürfte es mindestens zehn Tage dauern, bis das europäische Benzin die USA erreicht.

Der Terminkontrakt auf ein Barrel (159 Liter) fiel im New Yorker Ölterminhandel zeitweise um gut drei Prozent auf 67,30 Dollar. Am Dienstag hatte die Angst vor massiven Versorgungsengpässen das Öl bis auf ein Allzeithoch von 70,85 Dollar getrieben. Der Terminkontrakt auf ein Fass der Nordseesorte Brent fiel zeitweise um 2,6 Prozent auf 65,95 Dollar. Der Future auf bleifreies US-Benzin fiel um fast zehn Prozent. Auch der Heizöl-Future gab nach.

Nach Einschätzung von US-Präsident George W. Bush kann es Monate dauern, bis die Schäden beseitigt sind, die „Katrina“ im Süden der USA angerichtet hat. Dies und die Angst vor einer akuten Benzinknappheit in der weltgrößten Volkswirtschaft und dem weltweit größten Konsumenten von Öl verhinderten Händlern zufolge einen deutlicheren Preisrückgang. Auch am vierten Tag nach dem Hurrikan war das Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Die Behörden fürchten, dass tausende von Menschen ums Leben kamen.

Nach Einschätzung von Analysten droht den USA eine Benzinkrise. Bush rief seine Landsleute wiederholt auf, sparsam mit Benzin umzugehen und es auch nicht zu horten. „Kaufen Sie kein Benzin, wenn sie keines brauchen“, mahnte der Präsident.

Der Anstieg der Ölpreise hat einen Run auf Öltanker aus Europa ausgelöst, die aber größtenteils nicht vor Oktober in den USA erwartet werden. Nach Angaben von Schiffsmaklern sind bis Freitag 30 Öltanker für die USA gechartert worden. Die Frachttarife für transatlantische Routen seien wegen der hohen US-Nachfrage auf ein Zwei-Jahres-Hoch gestiegen. „Alle Schiffe sind unterwegs (von Europa), es gibt einfach keine Schiffe mehr“, klagte ein Makler in London. Ein anderer erklärte, man sei verzweifelt auf der Suche nach freien Schiffen für eine frühere Überfahrt.

Der Produktionsausfall der USA beläuft sich seit Montag, als der Hurrikan an der Golfküste auf Land traf, nach Schätzungen der Regierung auf rund 42 Millionen Gallonen Benzin täglich. Das entspricht etwa zehn Prozent des normalen Verbrauchs. In Louisiana und Mississippi sind neun größere Ölraffinerien außer Betrieb. Außerhalb des Katastrophengebietes mussten einige Anlagen ihre Kapazitäten drosseln, da durch die beschädigten Pipelines an der Golfküste kein Öl gepumpt werden konnte. Einige der regionalen Pipelines wurden inzwischen wieder in Betrieb genommen.

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