Australien

Wirtschaftswunder in Gefahr

Australien hat einen einzigartigen Boom hinter sich. Dieser beruhte auf Chinas Rohstoffhunger. Doch nun wird klar, dass sich die Australier in eine heikle Abhängigkeit begeben haben. Der Aussie-Dollar gerät unter Druck.
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Eisenerz-Mine der Firma Rio Tinto im Westen Australiens: Die Volkswirtschaft ist abhängig von Rohstoffexporten. Quelle: Reuters

Eisenerz-Mine der Firma Rio Tinto im Westen Australiens: Die Volkswirtschaft ist abhängig von Rohstoffexporten.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAustralien galt als das gelobte Land. Während die USA und Europa unter den Folgen der Finanzkrise litten, erlebte Australien einen einzigartigen Boom. In den vergangenen Jahren gehörte das Land zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Anleger aus aller Welt parkten ihr Geld in Australien, um es vor der Krise in ihrer Heimat in Sicherheit zu bringen. Doch der schönste Boom geht einmal zu Ende: So schnell wie Australien aufgestiegen ist, so schnell könnte es nun abwärts gehen.

Wer den Zustand einer Volkswirtschaft beurteilen will, muss sich nur die Landeswährung anschauen. Das funktioniert in Australien besonders gut. Jahrelang legte der australische Dollar unaufhörlich zu. Für Europäer wurde der Urlaub am anderen Ende der Welt immer teurer. Vor einem Jahr fiel der Euro bis auf 1,16 australische Dollar – ein historischer Tiefpunkt. Und es schien nicht einmal ausgeschlossen, dass beide Währungen eines Tages einen Gleichstand erreichen würden.

Die Gründe für den rasanten Aufstieg: Die heimische Rohstoffindustrie profitierte vom Rohstoffhunger der Chinesen. Die Australier exportierten Kohle, Eisenerz und Uran. Dafür floss Kapital ins Land. Das lief so gut, dass Australien sein Geschäftsmodell mehr und mehr auf die Rohstoffe ausrichtete. Der Anteil der Rohstoffe an den gesamten Ausfuhren vervierfachte sich.

Dass gleichzeitig die herstellende Industrie in Schwierigkeiten geriet, weil sich deren Exporte wegen der starken Währung nicht mehr lohnten, interessierte höchstens die Betroffenen selbst. Die internationalen Investoren jedenfalls sahen Australien als neuen „sicheren Hafen“, als den Ort, wo man sein Geld ertragbringend anlegen konnte. Als die Leitzinsen in den USA schon längst auf null gesenkt worden waren, konnte sich die australische Notenbank erlauben, an hohen Zinsen festzuhalten.

Doch dann passierte etwas, das so nicht vorgesehen war: Das Wachstum in China hat in diesem Jahr überraschend deutlich nachgelassen, damit auch die Nachfrage nach Rohstoffen. Zuletzt wuchs die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft nur noch mit 7,5 Prozent - deutlich unter den zweistelligen Wachstumsraten vergangener Jahre. Die Parteibosse in Peking wollen die heimische Wirtschaft stärker auf den Binnenmarkt ausrichten, dafür sind sie bereit, niedrige Wachstumsraten zu akzeptieren.

Den Australiern wird allmählich klar, dass sie sich in eine Abhängigkeit zu China begeben haben. Die einstige Stärke der australischen Volkswirtschaft wird nun zu ihrer größten Bedrohung.

S&P warnt vor dem "Worst Case"
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9 Kommentare zu "Australien: Wirtschaftswunder in Gefahr"

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  • Da zeigt ja die australische Wirtschaft mit der "griechischen Industrie-Krise" viel Gemeinsamkeit auf.
    Das Wunder neigt sich dem Ende zu.
    Vielen Dank für diesen übergreifenden globalen Beitrag .
    Erhellt die Lage ungemein.

  • Lieber Herr Observer, bei Kommentaren wie dem Ihrigen wünsche ich mir dass auch das Handelsblatt eher früher denn später auf ein zahlungspflichtiges Onlinemedium umstellt und solche unnötigen Beiträge dann hoffentlich vermieden werden. Ich kann Ihrem Kommentar keinerlei weitere erhellenden Informationen entnehmen welche dazu beitragen könnten den Artikel zu vertiefen oder weitere Details zu erläutern. Erhellen Sie uns doch mit Ihrem umfangreichen Fachwissen, was hätten Sie denn zu der Situation in Australien beizutragen? Und Ihre persönliche journalistische Qualität strahlt vermutlich heller als jeder Stern am Firmament, richtig? Vielleicht sollten Sie sich einmal in die Redaktionsräume begeben und hier tätig werden. Ich bezweifele aber dass das Ergebnis allen anderen außer Ihnen selbst Freude bereiten würde.
    Ich persönlich fühle mich durch den Artikel ausreichend informiert. Wenn ich mehr wissen möchte so könnte ich ja auf die Idee kommen das Handelsblatt zu abonnieren. Aber dieses wäre vermutlich für Sie schon ein Schritt zuviel, richtig?

  • Auch wenn der Bedarf an Eisenerz zukünftig nicht mehr so stark wächst, so bleibt er doch sehr wahrscheinlich auf hohem Niveau. Also sollte man ganz ruhig bleiben - Australien wird sicher nicht deswegen in Armut versinken.

  • Mit dem "Ende des Wirtschaftswunders" formuliert sich eine Kampfansage.

    Man nimmt auch das zu Kenntnis.

  • Nicht das Ende des "Wirtschaftswunders".

    Schlimmer noch: der Beginn eines trügerischen selbstvergewisserten "business as usual".

    Befürchtung: reden wir nicht von bifurkation(en)
    Und die Haushunde stimmen an - und das Handelsblatt macht mit.

    Das ist kein "soziologisches" Phänomen mehr mit dem wir es zu tun haben.

    Das bleibt Massenverelendung in ganz großem Stil.

  • Der dt. Export ist deutlich diversifizierter, das meiste geht ja auch in die EU, dazu geht auch sehr viel in die USA. Dazu sind die Bereiche des Exports diversifizierter, Australien exportiert ja primär nur Rohstoffe.

  • Als wäre es nur Australien. Hat sich die deutsche Exportindustrie nicht mindestens genauso abhängig gemacht von China? Wir sollten da lieber vor der eigenen Haustür kehren

  • der aussie-dollar lag in den jahren vor der finanzkrise fast immer in einer spanne zwischen 1,60 und 1,80 zum euro. die ausschläge in den jüngsten jahren (erst nach oben auf 2,10, dann nach unten auf 1,16) waren einfach übertreibungen. nun wird sich alles wohl wieder auf dem üblichen niveau einpendeln und australien wird sich wieder der normalität anpassen. wo ist das problem???

  • Herr Hackhausen, das war ddoch wieder mal eine journalistische Glanzleistung zum Wochenende! Da haben Sie sich wieder einmal in eisamer Spitze selbst uebertroffen! Das sollten sie aber wirklich am Wochenende noch mehrmals durchlesen! Vor allem ihre tiefschuerfenden Recherchen und ihre unuebertroffene Dokumentation von Fakten und die Beisspile suchenden Hintergrundinformationen setzen dem Gesamtkonzept ihrer schon wissenschaftlich zu nennende Ausarbeitung von Hintergrundinformationen die Krone auf. Egal was Sie dafuer als Honorar bekommen, das was sie hier geleistet haben, ist schier unbezahlbar und die redaktion steht Ihnen dafuer hoch in der Schuld!
    Das sind die Nadeln im Heuhaufen, des heutigen Journailismus, nein ich habe mich nicht verschrieben, weil es die groesstmoegliche Steigerung ist und damit eine herausragende Auszeich ung fuer Ihre leistung Herr Prof. Dr. Dr. Jourailie!

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