Austritt Griechenlands: Heilsamer Schnitt?

Austritt Griechenlands
Heilsamer Schnitt?

Der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist kein Tabu-Thema mehr. Doch was wären die Folgen? Zunächst einmal großes Chaos, vermuten Experten. Auf lange Sicht aber könnte der Euro gewinnen.
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Frankfurt, DüsseldorfWas vor wenigen Wochen noch als düsteres Untergangsszenario abgetan wurde, ist innerhalb kurzer Zeit zum Mainstream geworden. Selbst Politiker und Zentralbanker sprechen inzwischen offen über den Austritt der Griechen aus dem Euro. „Das Endspiel hat begonnen, und ich weiß nicht, wie es ausgehen wird“, gab EU-Handelskommissar Karel De Gucht in einem Interview mit einer belgischen Zeitung zu Protokoll.

Die Mehrheit der Investoren rechnet sowieso mit einem Exit der Griechen, in Finanzkreisen nur noch  „Grexit“  genannt. „Ein Austritt Griechenlands wäre teuer und chaotisch, aber er ist wahrscheinlich unvermeidlich. Deshalb sollten wir uns darauf einrichten“, sagt Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco.

Die Folgen kann kaum ein Experte abschätzen. Manch einer befürchtet ein großes Chaos. „Ein Austritt der Griechen würde die ‚Büchse der Pandora‘ öffnen“, warnt Jacques-Pascal Porta, Vermögensverwalter bei Ofi Gestion in Paris, „es ist eine Katastrophe, die einer weiteren Katastrophe die Tür öffnen würde“.

Doch das Aus der Griechen ist nicht gleichbedeutend mit Ende des Euros. Wenn es gelingt, eine Kettenreaktion zu verhindern, könnte der Euro ohne Griechenland langfristig sogar stärker dastehen.

Zum Schicksalstag für die Griechen - und vielleicht auch für den Euro – wird der 17. Juni. An diesem Tag wählen die Griechen ihr neues Parlament. Ob sie anschließend noch dem Sparprogramm folgen werden, das ist die große Frage. „Bis zur Wahl werden die Märkte unsicher bleiben“, sagt deshalb Dirk auf der Heide, Leiter Währungen bei der Fondsgesellschaft DWS.

Aus den Wahlen könnte eine Partei als stärkste Kraft hervorgehen, die sich ganz offen gegen die Bedingungen für das zweite Hilfspaket von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds ausgesprochen hat. Bis Juni müssen die Griechen Sparmaßnahmen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro vorlegen. Gelingt das nicht, drohen die Euro-Länder damit, ihre Hilfen für Griechenland einzustellen.

Anders ausgedrückt: Ohne weitere Sparmaßnahmen wird es keine weiteren Milliarden von den Geberländern geben - ohne weitere Milliarden bliebe wohl keine Alternative zu einem Austritt aus der Euro-Zone. „Falls die radikalen Parteien die Wahlen gewinnen sollten, verabschieden sich die Griechen aus dem Euro und führen ihre Drachme wieder ein“, sagt Frank Engels, der beim Fondshaus Union Investment den Anleihebereich leitet.

Kommentare zu " Austritt Griechenlands: Heilsamer Schnitt?"

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  • Keine Währung wird durch Auseinandersetzungen zwischen Gläubigern und Schuldnern beschädigt. Das Geld ist nicht weg, es hat nur wer anders.

    Auch wenn die griechische Gesellschaft sich eine andere Währung geben sollte, die Ansprüche der Gläubiger werden bestehen bleiben.

    Bei wem sind Gesellschaften wohl hauptsächlich verschuldet?
    Auch Superreiche wollen eher gewinnbringend anlegen als Einkommensteuern zahlen. Und sie tun alles dafür, daß dies möglich bleibt.

    Anhänger der Superreichen beziffern gesellschaftliche Schulden mit Vorliebe im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt. Wo steht die deutsche Gesellschaft unter den anderen EU-Gesellschaften und wo die griechische, wenn der Maßstab Schulden in € je Bürger ist?

    Parlamentariern fällt es ohne echte Verantwortung leichter, Zinsen zu verteilen und Finanzmittel für wichtige gesellschaftliche Aufgaben zu streichen als effektive Einkommensteuern festzusetzen. Die eigentliche Hauptursache für die Überschuldung von Gesellschaften!

    In Grundgesetzen, in Verfassungen sollte festgeschrieben werden, daß Parlamente keine Kreditaufnahme bewilligen dürfen ohne zugleich höhere Steuern und Einnahmen festzusetzen oder ziemlich fest mit entsprechend größeren Einnahmen rechnen zu können. Die Erhöhungen müßten solange gelten, bis der Kredit getilgt ist, und so hoch sein, daß dies in absehbarer Zeit erfolgen kann.

  • Eher "subjektivgesehen".
    Schulden können im Prinzip nur verschwinden,wenn auf der anderen Seite Guthaben verschwinden.Ob mit oder ohne Griechenland,der Untergang ist sicher

  • [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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